Die Provinzstädte der Mongolei

Dezember 24th, 2011

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Erdenet – Winter in der Provinz

Im letzten Beitrag hatte ich erklärt, dass es vor allem auch Ziel dieses Forum sei, die moderne, urbane Gesellschaft der Mongolei zu thematisieren, über das Leben der Viehzüchter wird ja ziemlich viel geschrieben und jeder hat da so seine Vorstellungen.

Wenn man das urbane Leben in der Mongolei beleuchtet, dann darf man sich aber nicht auf Ulaanbaatar beschränken, es gibt ja noch die Provinz oder Aimakstädte und über die weis man hierzulande fast gar nichts. Die Provinzstädte sind aber das eigentliche Bindeglied zwischen den Viehzüchtern in der Steppe und der Hauptstadt und es leben etwa eine dreiviertel Millionen Menschen in solchen Siedlungen. Eigentlich sollten diese Städte den wesentlichen Teil der Landflucht abfangen der heute direkt vom Lande in die Hauptstadt stattfindet. Die Bedeutung dieser Städte sollte auf alle Fälle gestärkt werden, dass wäre auf alle Fälle auch von Nutzen für die Hauptstadt, aber wie sieht es bisher in der Realität aus? Eher düster, wenn man sich mal so ein normales Aimakzentrum anschaut. In der Regel wohnen dort zwischen 20 und 40 Tausend Einwohner, aber die Infrastruktur reicht hinten und vorne nicht aus, so dass die Mehrheit der Bevölkerung in Jurten Siedlungen lebt. Hier fallen die Defizite zwar nicht so krass ins Auge wie in Ulaanbaatar, aber praktisch sind die nicht anders als in der Hauptstadt, hier akzeptiert man jedoch fehlende Wasserversorgung und unbefestigte Straßen eher als in der Millionenstadt. Unter den Provinzstädten gibt es zwei bis drei, die was ihre Größe und Urbanität betrifft deutlich herausfallen, das sind Erdenet, Darchan und vielleicht noch Tschoibalsan, den Rest kann man wohl in schlafende, von weitgehender Stagnation erfasste Siedlungen und sich entwickelnde Zentren unterteilen.

Was die drei großen betrifft, so hat man dort schon das Gefühl in einer Stadt im westlichen Sinne zu sein. Um die 100 000 Einwohner, ein Großteil davon wohnt in  Plattenbauten und ein wenig Industrie, dazu auch ein befestigtes Straßennetz und ordentliche Einkaufsmöglichkeiten. Am besten entwickelt ist das alles in Erdenet. Auf der etwa einen Kilometer langen Hauptstraße gibt es ein paar Hochhäuser, zwei richtige Warenhäuser und ein paar Restaurants, die auch ein Europäer freiwillig besuchen würde. Die Stadt ist eine Neugründung und verdankt ihre Entstehung der mongolisch-russischen Kupfermine. Der Bahnanschluss nach Ulaanbaatar ist akzeptabel und die Straße bis dorthin auch wenigstens in Asphalt.

In Darchan sieht es ähnlich aus, allerdings ist dort die Kaufkraft lange nicht so hoch wie bei den Minenangestellten von Erdenet, eine Industriestadt ist es aber dennoch und nicht so sehr in Abhängigkeit von dem einen Arbeitgeber wie Erdenet. In Tschoibalsan spielt die Industrie nur eine untergeordnete Rolle, demzufolge ist die Perspektive auch nicht so rosig.

Was die Zukunftsaussichten betrifft stehen einige von den übrigen Aimakzentren sogar besser da als die drei Großen. Dalanzadgad zum Beispiel hat drei Chancen einer positiven Entwicklung, das sind der Tourismus, das Kaschmire Geschäft und der Bergbau. Es sieht zwar heute noch nicht so toll aus im Ort, aber die Einwohnerzahl hat sich in 10 Jahren mehr als verdoppelt, es wird Geld verdient und man ist nahe dran an Oyu Tolgoi und Tawan Tolgoi. Es gibt heute schon ein kleines aber modernes Einkaufszentrum, man baut Eigentumswohnungen, ein sicheres Zeichen für kleinen Wohlstand und am Airport ist für mongolische Provinz Verhältnisse richtig Betrieb. Ein weiterer wirtschaftlicher Aufsteiger könnte Sainschand werden. Hier ist ein größerer Industriekomplex geplant. Mit seiner Lage an der Eisenbahn und in der Nähe der großen Kohlelagerstätten in der Gobi, keine schlechten Voraussetzungen.

Von der Bevölkerungszahl her entwickelt sich auch Murun ziemlich schnell nach oben, allerdings fehlt hier der große wirtschaftliche Initiator. Der Ort hat schon fast 50 000 Einwohner und eine wirklich schöne Umgebung, das Klima passt auch ganz gut und die Bevölkerung hier im Norden ist recht bodenständig und lebt schon länger in Siedlungen. Die wirtschaftliche Basis könnten hier eher Handwerk und kleine Betriebe bilden, also vielleicht die Schwaben der Mongolei. Hier hat man auch schon immer ein wenig mehr Wert auf das Ortsbild gelegt, als in den Wüstensiedlungen, viel gebracht hat es natürlich auch nicht, denn wie überall in der mongolischen Provinz fehlt den staatlichen Institutionen das Geld für Investitionen oder auch nur für die Sanierung der Erbschaften des Sozialismus. Ohne die sehe es in den Aimakstädten noch anders aus, denn nur bis 1990 wurden überhaupt größere Gebäude errichtet, dann passierte erstmal 15 Jahre überhaupt nichts.

Da diese Zentren alle etwa zur gleichen Zeit, in den 1970 er Jahren und mit ähnlicher Ausstattung errichtet wurden, sieht es auch immer fast gleich aus. Lediglich bei den wenigen in den letzten Jahren entstandenen Gebäuden gibt es eine gewisse Eigenständigkeit zu Erkennen. Das ist auch sicher einer der Gründe, warum sich kaum jemand mit seiner Provinzstadt identifiziert, oder gar stolz ist, das wiederum wäre aber wichtig, um die Leute wenigstens vor Ort zu halten. Manche Randgebiete eines Aimakzentrums sehen auch wirklich eher aus wie ein Notaufnahmelager nach einem Katastrophenereignis oder bestenfalls ein Feldlager. Während heute der Abstand zwischen einer deutschen Großstadt und Ulaanbaatar mehr und mehr schwindet, sind Vergleiche einer deutschen Kleinstadt mit einem mongolischen Provinzzentrum geradezu abstrus. Was in diesen Städten natürlich auch fast völlig fehlt sind Leute mit Kaufkraft, man kann sicher davon ausgehen, dass 99 Prozent der so genannten oberen Zehntausend der Mongolei in Ulaanbaatar leben, ein paar gibt es noch in Erdenet, aber der wohlhabendste Bürger von Mandalgobi dürfte in UB wohl kaum in einem Mittelstandsclub Aufnahme finden.                                                    

Zum Blog in eigener Sache

Dezember 3rd, 2011

Mal was in eigener Sache zu unserem Blog. Damit das ganze richtig lebendig wird ist es natürlich schön, wenn zu den einzelnen Beiträgen auch ein paar Meinungen oder Ergänzungen ins Spiel kommen. Nutzt also bitte die Möglichkeit, nicht nur zu lesen, sondern auch selbst kleine Beiträge zu den Themen zu verfassen. Es ist natürlich auch wichtig, dass möglichst viele Leser den Blog regelmäßig besuchen, dann entwickelt sich einfach auch mehr Diskussion, also den Link zum Blog weitergeben und wenn die Resonanz deutlich ist, dann werden auch häufiger neue Themen eingestellt.

Wir haben mit dem Blog eine gute Möglichkeit vielen Deutschen etwas über die Mongolei mitzuteilen, was über das übliche, – Nomade, Jurte, Dschingis Khan Enkel – Klischee hinausgeht.   

Wir wollen vor allem auch über die moderne Mongolei berichten, über Perspektiven, über das was in Ulaanbaatar passiert und das diese Stadt nicht unbedingt der hässlichste Ort der Welt ist, wie heute noch viele Mongoleireisende am Rande ihrer romantischen Berichte vom Steppenleben glauben mitteilen zu müssen. 

 

Legenden um das mongolische Nomadenleben

Dezember 1st, 2011

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Jurte in den Hochlagen des Changai

Um den mongolischen Nomaden und seine Lebensweise ranken sich in Europa zahlreiche Legenden und man pflegt auch beharrlich Mythen. Selbst Journalisten schreiben nicht selten, eben erst bei dem Kanzlerinnenbesuch konnte man das beobachten, Dinge, die aus ihrer Vorstellung entspringen, aber weniger der Recherche oder gar eigener Anschauung.

Allen voran steht die Vorstellung der umherziehenden, nichtsesshaften Sippe, die heute hier, morgen da ihre Jurte aufschlägt. Die Realität sieht deutlich anders aus. Jeder Viehzüchter in der Mongolei hat bestimmte Weidegebiete, die er nutzen darf. Je nach Vegetation sind diese Weidegründe, in denen er sein Vieh weidet größer oder kleinräumiger. Im Norden, bei genügend Grün und Zugang zu Wasser kann es sein, dass die Herde wochenlang an der gleichen Stelle genügend Futter findet, dann bleibt natürlich auch die Jurte dort stehen. Was man aber immer antrifft, ist ein spezieller geschützter Lagerplatz für den Winter und ein Sommerlager. Was dazwischen passiert ist sehr unterschiedlich, in trockenen Regionen können das 5 bis 10 unterschiedliche Standorte sein, wenns günstiger ist auch nur einer oder zwei. Auch ist der Aktionsradius recht unterschiedlich, von drei, vier Kilometern bis vielleicht 50, aber immer wird der Viehzüchter die Orte aufsuchen, wo er schon immer seine Jurte aufgebaut hat. Ein Viehzüchter in der Gebirgswaldsteppe des Changai oder im Norden des Landes wird also kaum größere Wanderungen unternehmen, sein Standort ist auch ziemlich genau bekannt, die Verwaltung und auch die Nachbarn wissen natürlich wo er ist, er hat auch sozusagen eine amtliche Adresse, natürlich nicht mit Straßennamen und Hausnummer, aber der Kreis und die Gegend wo er lebt sind bekannt. Er ist dort registriert, hat einen Pass und alle Rechte und Pflichten wie ein Bürger in der Hauptstadt. Ich habe Familien getroffen, die wohnten im Sommer am Seeufer und als ich nach dem Winterlager fragte, zeigten sie auf eine Holzhütte am nahen Bergfuß, hier waren sie geboren und hier würden sie vermutlich auch bis zum Lebensende bleiben. Die meisten Deutschen sind mehr Nomade als diese Leute.

Eine weitere Legende sind die Großfamilien oder gar Clans, die in den Köpfen der Menschen hierzulande die Steppe bevölkern. Ein Ail, also die kleinste Einheit der Viehzüchter kann aus einer manchmal zwei oder drei, aber kaum mehr Jurten bestehen. Es sind in der Regel, die Eltern mit den kleineren Kindern, eventuell noch die Großeltern, die da zusammenwohnen. Sollten sich mehr als zwei Jurten zusammenfinden ist oft eher eine fremde Familie dabei, als direkte Verwandte. Auch wenn eine Viehzüchterin fünf oder sechs Kinder hat, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die dann, einmal erwachsen, auch alle zusammen wohnen. Es gibt auch keinen sonderlich festen Zusammenhalt innerhalb der Verwandtschaft, insbesondere keine wirtschaftlichen Verknüpfungen, jeder macht eigentlich sein Ding. Das merkt man dann auch deutlich in der Stadtbevölkerung, ist jemand zu Vermögen gekommen und hat eine Firma oder sonst wie Macht und Einfluss, dann wird er sich eher einen verlässlichen Geschäftspartner suchen, als beispielweise die Geschwister oder gar noch entferntere Verwandte mit ins Boot zu nehmen.                

Die wohl unwahrste Vorstellung ist die von einem mächtigen männlichen Familienoberhaupt, der die Geschicke in der Jurte bestimmt. Die Frauen haben in der Jurte eindeutig das Sagen. Sie verwalten das Geld und Treffen die wichtigen Entscheidungen. Dem Gast wird in der Jurte zwar eine Vorstellung geboten, bei der die Frau den Mann bedient und der Anschein erweckt wird es handelte sich um eine absolute Autorität, aber das kann man getrost als Inszenierung betrachten, der Mann hat seine Freiheiten und kleine Privilegien, aber zu sagen hat er eigentlich nicht viel.       

Der mongolische Viehzüchter ist auch kein zivilisationsverachtender Weltfremdling. Nahezu alle Viehzüchter haben in ihrer Kindheit mal eine Schule in einer Siedlung besucht, oft dann auch in einem Internat gelebt. Sie sehen für ihr Leben gern TV, sofern der Empfang das hergibt und träumen alle davon ein Auto zu besitzen, zumindest die Männer. Sehr selten ist es auch der in der westlichen Vorstellung lebende Naturmensch, dem der Einklang mit derselben über alles geht. Er versucht natürlich traditionell die Ressourcen so nutzen, dass er sich nicht selbst die Existenz abgräbt, aber das wars oft auch schon. Der Müll fliegt in die Landschaft, Hauptsache man stolpert nicht selbst drüber, wenn Kaschmirwolle hoch im Kurs steht, dann werden eben wider besseren Wissens Ziegen statt Schafe gehalten und wenn ein paar Bäume in der Nähe sind, dann kommen die in den Ofen anstatt traditionell der Dung, das macht schneller warm und ist einfacher zu sammeln.

Nun haben meine Ausführungen vielleicht den einen oder anderen der bald mal in die Mongolei fahren wollte desillusioniert, aber es ist trotzdem interessant mal in einer Jurte vorbeizuschauen und mit den Leuten reden, gerade weil sie eben doch so unexotisch sind.  Man trifft in der Regel ganz coole Leute, die es schaffen unter extremsten Bedingungen zu leben, bei denen jeder deutsche Aussteiger nach ein paar Tagen alles hinschmeißen würde.                 

Die mongolische Demokratie

November 30th, 2011

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Das Regierungsgebäude in Ulaanbaatar

Im Zuge des Besuches der Kanzlerin in Ulaanbaatar konnte man es allenthalben Lesen, die Mongolei wird im Westen bezüglich Ihrer Demokratie häufig gelobt. Was ist die mongolische Demokratie eigentlich? Oder wie demokratisch ist dieses System. Wenn man mal die aktuelle Situation mit anderen Staaten der Region vergleicht, also China, den ehemaligen Sowjetrepubliken oder Russland, dann ist natürlich die mongolische Gesellschaft geradezu eine Musterdemokratie aber trotzdem funktioniert es im politischen Alltag zumindest ganz anders als zum Beispiel in Deutschland.

Wenn man unter einer demokratischen Gesellschaft zunächst mal freiheitliche Rechte versteht, also Meinungsfreiheit, die Freiheit sich politisch betätigen zu können, Pressefreiheit oder auch die Wahrung von Bürgerrechten, dann ist die Mongolei kaum zu unterscheiden von westeuropäischen Staaten. Es gibt eine Unzahl von Parteien und politischen Bewegungen, es wird ewig über Themen debattiert, jeder der sich dazu berufen fühlt kann seine Meinungsäußerungen unbeschadet in die Öffentlichkeit bringen, selbst wenn es bis zu Verleumdungen, Unterstellungen oder Beleidigungen geht passiert in der Regel nichts.

Das Recht auf Demonstrationen ist sowohl im Gesetz als auch in der Praxis jederzeit gewahrt und die Mongolen haben mit ihren Protestjurten auf dem Suche Baatar Platz möglicherweise das Vorbild geschaffen, für die späteren Zeltplatzdemos auf allen möglichen Plätzen dieser Erde, von der Ukraine bis nach Nordafrika und nun Occupy, zumindest waren es die ersten, die das Innenstadtcamping als Protestform kultiviert haben.

Das Recht auf freie Wahlen wird eigentlich ziemlich sauber umgesetzt, wenn auch die Verlierer manchmal das Gegenteil behaupten, eine größere Wahlmanipulation wurde noch nie bewiesen und ist auch nicht sehr wahrscheinlich.  

Im Parlament selbst funktioniert die Demokratie eigentlich auch ganz gut, denn im Gegensatz zu Deutschland hat man hier bei der Abstimmung nicht mal diesen sklavischen Fraktionszwang und so mancher Politiker vertritt durchaus mal eine andere Meinung als sein Parteichef, wirklich wohltuend wenn man mal an den deutschen Bundestag denkt, wo Entscheidungen ja nur noch abgenickt werden. 

Was ist nun der Grund, warum man als Beobachter in Ulaanbaatar doch nicht so zufrieden sein kann mit der Demokratie? Es sind einfach immer die gleichen Leute, die politische Ämter besetzen und es sind immer auch Leute mit sehr eigenen wirtschaftlichen Interessen, Unternehmer, Geschäftemacher, Vermögende und es sind nicht unbedingt die edelsten Charaktere, die da auf den Parlamentsbänken sitzen. An dieser Situation wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern, denn es fehlen zwei wichtige Dinge zur lebendigen Demokratie. Das sind zunächst die   Politiker, die frei von eigenen wirtschaftlichen Interessen arbeiten und entscheiden können. Schon die Parteien verfügen kaum über solche Art Berufspolitiker.  Ein paar Parteiangestellte werden von der Partei mehr schlecht als recht bezahlt, um die organisatorische Arbeit zu machen, die wenigen Spitzenpolitiker verdienen ihr Geld nicht bei der Partei. Die Rollen sind klar verteilt, Parteiarbeiter auf der einen und Prominente auf der anderen Seite. Der Wahlkampf eines Kandidaten zur Parlamentswahl wird auch immer von diesem privat finanziert, im Gegenteil bei den Exkommunisten musste man bei der letzten Wahl sogar ein Startgeld an die Partei bezahlen um kandidieren zu dürfen. Dieses System stellt praktisch sicher, dass immer nur die Kader mit hohen privaten Vermögen auch wieder den Weg ins Parlament finden können. Persönliche Fähigkeiten oder gar Charaktereigenschaften spielen bei dieser Auswahl überhaupt keine Rolle. Sofort stellt sich dann noch die Frage, warum will dann jemand, der Firmen und privates Vermögen besitzt überhaupt in ein Parlament, wo er im Monat soviel verdient, wie er sonst an manchem auf einmal Tag ausgibt? Ganz paradox wird die Betrachtung, wenn man berücksichtigt, dass ihn der Wahlkampf die üblichen einhunderttausend bis eine Millionen USD kostet und das ungefähr das zwanzigfache von dem ist, was er in seiner Parlamentsarbeit in den vier Jahren verdienen wird. Die Erklärung ist ebenso simpel, wie pervers, er geht davon aus, dass er seinen Einsatz für Plakate, Helfer, Shows und Feuerwerke im Wahlkampf doppelt und dreifach wieder zurückbekommt, wenn er seine parlamentarische Arbeit möglichst effizient macht und das bedeutet in Ulaanbaatar, möglichst wenig Sitzungsaufwand und seine eigenen Projekte oder die an denen man prosperiert durchzubringen.   

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum man in der Mongolei trotz Demokratie und Wahlen wohl noch lange Zeit immer die gleichen Politikergesichter im TV sehen wird, das ist der Wähler selbst. Leider ist die Bevölkerung an der Realpolitik nahezu gar nicht interessiert.  Es ist den Leuten auf der Straße eigentlich egal, welche Strategien die Parteien für die Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme bereithalten, sofern sie es überhaupt tun. In der Regel werden von den Parteien sowieso nur allgemeine und pauschale Versprechungen gemacht, aber auch da überlegt der mongolische Wähler nicht lange, er findet das gut, was ihm persönlich scheinbar nutzt und ob Projekte überhaupt real sind darüber denkt er kaum nach. In der Regel wird dem Wähler einfach Geld versprochen, Bürgergeld, Kindergeld, höhere Mindestlöhne oder einfach eine Prämie für alle, wenn man den oder den wählt. Kommt dann der Wahltermin immer näher fährt mancher mongolische Wähler auf immer simplere Reize ab, der Kandidat hatte ein gutes Feuerwerk inszeniert oder eine bekannte Popband auf die Bühne gestellt oder kostenloses Feuerholz für die Jurte im Winter versprochen. So wählt man halt immer wieder die gleichen prominenten Leute. Man hat sogar das Gefühl, der mongolische Wähler verbindet seine Stimme generell lieber mit einem Sieger und gewinnt sozusagen mit dem als auf der Verliererseite zu stehen.

Wenn man die Frage stellt, wem nutzt diese mongolische Form der Demokratie am meisten, muss man ganz klar sagen, der kleinen vermögenden politischen Klasse in Ulaanbaatar selbst. Die kann ihre politische Macht dazu nutzen ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern und sie kann im Gegenzug ihre wirtschaftliche Potenz wiederum einsetzen um die politische Macht zu sichern, dabei ist eigentlich gar nicht mehr wichtig welcher Partei man angehört, Hauptsache man sitzt im Parlament und mittlerweile arrangiert man sich immer ganz gut miteinander, ob Wahlverlierer oder Wahlsieger, das ist fast egal in Ulaanbaatar.     

Würde man eine Regelung finden, wonach Politiker nicht nach ihrem Vermögen, sondern nach ihren politischen Kompetenzen als Kandidaten in den Wahlkampf gehen könnten, hätte die mongolische Demokratie schon viel gewonnen.

Landflucht in der Mongolei

November 16th, 2011

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Immer mehr Mongolen ziehen das Stadtleben der Steppe vor

Als ich das erste mal 1985 die Mongolei besuchte, wohnten um die 500 000 Menschen in der Stadt Ulaanbaatar, heute sind es 1,2 Millionen. Die Gesamtbevölkerung lag damals bei etwas mehr als 2 Millionen, heute sind es etwa achthunderttausend mehr. Während die Gesamtbevölkerung also etwa 40 Prozent zugelegt hat, ist die Einwohnerzahl der Hauptstadt um 140 Prozent gewachsen. Hinter dieser Zahl steht eine Welle der Landflucht, die sich seit den 1990 er Jahren vollzieht und deren Geschwindigkeit zunimmt. Derzeit siedeln etwa 50 000 Menschen pro Jahr nach Ulaanbaatar um. Westliche Kommentatoren, insbesondere aus Kreisen von Entwicklungshilfeorganisationen, sehen die Ursachen hauptsächlich im wirtschaftlichen Bankrott von Viehzüchtern, die ihre Herden verloren haben. Diesen Fall gibt es sicherlich auch, er erklärt aber nicht die Größenordnung der Wanderungsbewegung. Es gibt auch mindestens drei Bevölkerungsgruppen aus denen sich der Zuzug zusammensetzt, das sind neben ganzen Viehzüchterfamilien, vor allem die Jugendlichen, die zur Ausbildung nach Ulaanbaatar gehen und dann dort bleiben. Eine dritte Gruppe sind ältere Leute, die am Ende ihres Lebens zu Kindern oder Verwandten in die Stadt übersiedeln. Während die letzten beiden Gruppen die Entscheidung eindeutig freiwillig treffen, gibt es bei den Viehzüchterfamilien sowohl den Fall, dass man aus wirtschaftlicher Not das Leben auf dem Lande aufgibt, es kann aber durchaus auch sein, dass man noch genügend Vieh besitzt um eine Existenz abzusichern, aber man dennoch die Herde verkauft und mit dem Geld versucht eine neue Existenz in der Stadt aufzubauen.

Oft wird die Situation im Westen so dargestellt, dass der Viehzüchter praktisch nie freiwillig sein Leben in der Steppe aufgibt, der Beobachter vor Ort weiß aber, dass das Stadtleben auf viele Viehzüchter eine starke Anziehung ausübt, nicht nur auf junge Leute, auch Frauen im mittleren Alter ziehen nicht selten ein Leben in der Stadt vor. Für viele ist aber die Existenz in der Stadt zu unsicher, als dass sie den Schritt gehen. Wären die Chancen auf gut bezahlte Arbeit in der Hauptstadt besser, sehe die Tendenz noch ganz anders aus.

Bis zur politischen Wende 1990 wurde der Zuzug vom Land nach Ulaanbaatar streng geregelt. Eine Wohnsitznahme in der Hauptstadt war mit hohen Hürden verbunden und nur wenige schafften den Sprung nach Ulaanbaatar, selbst als studierter Landbewohner landete man eher in einem Aimakzentrum. Hätte es die staatlichen Regelungen nicht gegeben, wäre die derzeitige Situation sicher schon in den 1990 er Jahren eingetreten.

Bis zur Wende hatten die Behörden versucht, den genehmigten Zuzug an den Bau von neuen Wohnungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu koppeln.

Auch wenn es nicht der Wunsch so manchen Ethnofreundes ist, die Landbevölkerung in der Mongolei wird weiter rapide abnehmen. Eine moderne Industriegesellschaft kann einfach nicht für 30 Prozent der Bevölkerung Arbeit in der Landwirtschaft bereithalten. Geht man einmal von 10 Prozent aus, dann wären dass maximal dreihunderttausend Menschen insgesamt.

Die Vorteile, die eine moderne Großstadt bieten kann sind einfach auch für Landmongolen zu verlockend. Eine beheizte Wohnung wirkt bei Wintertemperaturen von unter minus 30 Grad für jeden der das mal erlebt hat, fast existenziell, fließendes Wasser, für einen Viehzüchter unerreichbar, oder die Möglichkeit in wenigen Minuten einen Notarzt zur Seite haben zu können.

Es gibt aber auch so ganz triviale Dinge wie den Fernsehempfang mit dutzenden Programmen oder ein Warenangebot das nahezu alles bietet. Entgegen vielen Thesen lieben es Mongolen auch unter Leuten zu sein und wochenlang in der Jurte nur die Familie um sich zu haben gefällt auch dort keinem wirklich.

Natürlich bedeutet für einen Übersiedler Ulaanbaatar nicht automatisch Wohnung, fließendes Wasser und Geld zum Shopping, aber man ist dem ganzen schon einen wesentlichen Schritt näher als 1000 Kilometer weiter in der Gobi. Am Anfang werden viele erstmal in einer der sogenannten Jurtensiedlungen landen, mit ihrer Jurte ein Stück Land in Anspruch nehmen. Wobei hier schon der erste Anreiz gesetzt ist, denn dieses Grundstück wird dann zum Privatbesitz und ist möglicherweise später sogar verkäuflich, draußen auf dem Lande hatte man das nicht, man konnte zwar Land nutzen, aber nicht besitzen. Der Mongole, auch der vom Lande, hat in der Regel auch kein so großes Problem mit der Stadt. Er ist anpassungsfähig, deutlich mehr als ein Deutscher oder Chinese. Er ist auch nicht unbedingt darauf erpicht in einer Jurte alt zu werden, eine Wohnung im Hochhaus lockt viele, es scheitert eher am Geld für die eigene Immobilie.               

Nahverkehr in Ulaanbaatar

Oktober 27th, 2011

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 Mit dem 2 Tonnen Jeep ins Büro – Alltag in UB

Der Nahverkehr oder einfacher gesagt, der Straßenverkehr in Ulaanbaatar ist ein echter Aufreger um es mal treffend zu beschreiben. Täglich verlieren tausende von Kraftfahrern wertvolle Nervenzellen bei dem Versuch ihr Auto zwei, drei Kilometer durch das eigentlich sehr übersichtliche Stadtzentrum zu manövrieren. Viele Menschen verwenden täglich einen erheblichen Teil ihrer psychischen und physischen Kraft darauf nur, um zur Arbeitsstelle zu gelangen, bzw. wieder nach Hause zurückzukehren. Vermutlich müssen sie die Arbeitszeit dann wirklich dafür nutzen sich vom Anreisestress zu erholen und Kraft für die Heimfahrt zu sammeln.

Der Grund für das Dilemma ist zum Einen die Überlastung an einigen Hauptstrecken und Knotenpunkten des Straßennetzes und zum Anderen die Fahrphilosophie der mongolischen Lenker, die immer nur eine Richtung kennt, nämlich nach vorne ohne die geringste Rücksicht auf Rechts, Links oder den Hintermann, auch wenn es schon offensichtlich aussichtslos erscheint. So werden kleinste Lücken im Stau sofort zugestellt, damit sich am Ende überhaupt nichts mehr bewegen kann. Staus mit totalem Stillstand und quer stehenden Fahrzeugen wo eigentlich gar keines hingehört, sind keine Seltenheit.

Eine Lösung des schon wirklich heftigen Problems kann eigentlich nur bei dem zuerst genannten Defizit ansetzen, den verkehrlichen Engstellen, das zweite Problem, die egozentrische Fahrweise, wird wohl niemand in den nächsten Jahrzehnten heilen können.

Der dritte Lösungsweg, wäre der Ausbau eines echten Nahverkehres, damit wären eigentlich beide Probleme gelöst, wer in Bus oder Bahn unterwegs ist kann kein Chaos fabrizieren und der Verkehr würde sicher merklich schrumpfen.

Lösungsansätze werden immer wieder diskutiert, die Erweiterung des Busverkehrs oder ein U-Bahnnetz, wobei die Erweiterung des Busverkehrs erst dann einen Effekt bringt, wenn möglichst viele Einwohner daran teilnehmen. Da liegt aber das Problem, der Bus gilt in UB, da dort oft hässlich und alt, als Armeleuteverkehrsmittel und solange der Bus auch im Stau steht und nicht vorwärts kommt, macht es gar keinen weiteren Sinn ihn zu benutzen. Attraktiv wäre natürlich dagegen die U-Bahn, die würden auch die wohlhabenderen Bürger benutzen, da man damit modern und schick unterwegs wäre, von der enormen Zeitersparnis mal abgesehen, wenn man davon ausgeht, dass auf der Friedenstraße am Abend ein Kilometer mal gut und gerne 30 Minuten Fahr- bzw. Standzeit bedeuten können.

Was die U-Bahn aber so unrealistisch erscheinen lässt, sind neben den enormen Kosten, die lange Planungs- und Bauzeit, was aber die Verantwortlichen der Stadt nicht davon abhält, immer wieder Studien dazu in Auftrag zu geben.

Einen Ausweg dazu könnte eine Hybridbahn bilden, die im Grunde genommen auf einem Straßenbahnsystem beruht, dass aber wo notwendig, auch mal unter der Erde geführt wird. Solche Überlegungen scheinen aber nicht für mongolische Politiker geeignet zu sein, hier gilt nur Hopp oder Flop. Eine U-Bahn würde Ulaanbaatar gleich auf den Standard von Tokio oder London befördern, da würde man sich gern sehen, aber Irkutsk, wo man schon lange mit der Straßenbahn fährt, hat man doch wohl überholt. Außerdem klingt keine Infrastrukturvision in der Mongolei zu phantastisch, als dass sie nicht doch verbreitet werden könnte.

So planen also derzeit ein paar japanische Ingenieure an einer sogenannten Vollmetro für Ulaanbaatar, deren Realitätsferne eigentlich nur noch von dem Projekt des einhunderttausend Studenten-Luxuscampus in Nalaich übertroffen wird.

Für eine moderne Straßenbahn, die im Übrigen in Europa auch mit schicken Fahrzeugen ausgestattet wird, braucht man etwas Platz in der Mittellage der Straße, ein paar Millionen für die Grundausstattung mit Gleis und Fahrdraht und dann kann es losgehen. Erst mal vielleicht 5 oder 6 Kilometer und dann in jedem Sommer ein paar dazu, unkompliziert und jederzeit erweiterbar. Wenn man dann mal am Suchebaatar Platz oder unter einer Kreuzung einen halben Kilometer im Tunnel verschwindet hat man für ein paar Sekunden sogar das Gefühl einer U-Bahn.

Bei den von den russischen Planungsbüros in den 1960 er Jahren geplanten breiten Hauptstraßen wäre genug Platz für ein eigenes Gleisbett der Straßenbahn, wenn gleichzeitig ein Teil der täglichen Autofahrer auf die Bahn umsteigen würden. Wenn man sich aber die Arbeit der mongolischen Stadtplaner ansieht, kann man auf soviel Vernunft kaum hoffen, da wird ein 60 000 Einwohnerstadtteil neu errichtet und über zwei ganze sechs Meter breite Sträßchen mit der restlichen Stadt verbunden, eine davon geht noch über einen beschrankten Bahnübergang aus Großmutters Zeiten.             

           

Die kleine MIAT Expansion

Oktober 21st, 2011

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                                  neues Corporate Design der MIAT 

Eine weitere gute Nachricht von der mongolischen Luftfahrtbranche, die MIAT hat vor ein paar Tagen ihre zweite B 767-300 erhalten.

Es war eigentlich auch bitter nötig, denn mit nur einem Langstreckenflieger war das Risiko hoch, auf der Ulaanbaatar-Berlin Strecke völlig in der Luft zu hängen, wenn der eine Flieger den es bisher dafür gab mal am Boden bleiben muss. Man hat dann auch gleich seine Pläne mit dem neuen Flieger bekanntgegeben. Neue Ziele in Asien, wobei nicht ganz klar ist, wie mit nur einem Flugzeug mehr auf einmal eine ganze Reihe neuer Airports in Reichweite gelangen soll. Es klang insgesamt alles ein wenig nach typisch mongolischen Optimismus, denn zum Einen muss man bei neuen Verbindungen auch Infrastruktur vor Ort installieren und man muss die Flieger möglichst voll kriegen. Es weis auch jeder, dass solche dünnen Linien, die mit 2 Flügen pro Woche hinkommen müssen selten effizient sind. Fraglich ist auch, wie man beispielsweise Flieger nach Hanoi voll bekommen möchte. Vietnamesen haben vermutlich weder Lust noch das Geld in die Mongolei in Urlaub fliegen zu wollen und Geschäftsleute aus Vietnam sind eher was Exotisches. Was der Mongole in Hanoi sucht erschließt sich mir auch nicht so richtig. Besser klingt da schon die Shanghai Verbindung. In der Stadt leben eine Unmasse westeuropäischer Geschäftsleute oft auch mit ihren Familien, die alle gerne Sommerurlaub machen und die Mongolei ist für gutverdienende Westeuropäer schon lange ein Ziel, warum sollte das in Shanghai anders sein, ich kenne auch genügend Beispiele dafür. Selbst im Winter könnte das was werden, wenn die Leute dort in der trüben und doch recht kühlen Stadt sitzen hätten sie sicher lieber ein paar richtige sonnige Wintertage mit Schnee und Pistenspaß, da bietet es sich schon an, mal in drei Stunden bis Ulaanbaatar zu fliegen und ein klein wenig Österreich Feeling im Skyresort am Bogd Uul zu tanken.Die chinesischen Skigebiete liegen auch kaum näher und in Ulaanbaatar wirkt das alles schon viel vertrauter und europäischer als auf den ziemlich spaßarmen Anlagen nördlich von Peking mit den vielen chinesischen Pistenameisen und ihrem recht chaotischen Gezappel auf den viel zu großen Brettern .

Um wieder auf die neuen Flugverbindungen zu kommen, es wäre sicherlich besser sich mehr auf den Ausbau der bestehenden zu konzentrieren, ich meine da insbesondere auch Berlin und Hongkong. Hongkong scheint sich ja richtig gut zu entwickeln, zumal es ja auch ein absolut sinnvolles Drehkreuz für Flüge auf die Südhalbkugel ist.

Berlin wäre natürlich ein ganz heißer Renner, wenn man mit dem nagelneuen Großflughafen und den unendlichen innereuropäischen Anschlussmöglichkeiten auf ein 5 oder gar 6 Tage Angebot gehen würde, aber halt, was liest man da wieder, die wollen schon wieder nach Frankfurt?  Das Experiment, dass vor Jahren schon mal wegen hoher Kosten und geringer Passagierzahlen eingestellt wurde und das im vergangen Jahr wieder diskutiert und dazu geführt hatte, dass die Flugpläne im März immer noch nicht standen, dieser Unfug wird schon wieder aufgewärmt?  Man kann es kaum glauben, die MIAT hat zwanzig Jahre lang teilweise als einzige Fernstrecke Berlin angeflogen und jetzt, wo der modernste Flughafen Europas eröffnet wird, wo bereits über zehn interkontinentale Fernziele von der deutschen Hauptstadt angeflogen werden, jetzt wird schon wieder darüber geredet nach Hessen umzusiedeln. Frankfurt hat gerade einen riesigen Dämpfer zum Nachtflugverbot erhalten, der günstige Europa Zubringer Easy Jet hat sich verabschiedet und für Economy Touristen bedeutet Frankfurt die Service- und Logistikwüste schlechthin, warum wird wieder diese Diskussion betrieben?

Für eine Fluggesellschaft wie die MIAT und deren potentielle Kunden ist doch völlig wurscht, ob da ein paar Interkontinentalflüge mehr oder weniger abgehen, was die MIAT braucht, sind billige Anbieter, die ein dichtes europäisches Netz bedienen, sie braucht zudem die Nähe zu den Stammfliegern, also Mongolen in Deutschland, Geschäftsleuten mit Kontakten in die Mongolei und die sitzen nun mal eher in Berlin und sie braucht mit ihren häufigen Wetter bedingten Verspätungen einen Flughafen, der da flexibel genug reagiert und keinen total überlasteten Airport für den die Exoten MIAT am Ende immer das fünfte Rad am Wagen ist.

BER hat oder wird das alles haben, freie Kapazitäten in jeder Beziehung, jahrelange Kontakte mit der MIAT und vor allem günstige Zubringer wie Easy Jet, Air Berlin und Germanwings  sind die idealen Mitspieler, wenn die MIAT die Kunden in England, Frankreich, Spanien oder Holland erreichen möchte. Was man im Übrigen nicht vergessen sollte, der Flug von Berlin ist rund eine Stunde kürzer als der von Frankfurt nun mag man bei der MIAT denken, was ist schon eine Stunde, aber große internationale Fluggesellschaften sehen das etwas anders. Wenn man auch mal ein wenig Vision walten lässt, mit Berlin hätte die MIAT sogar die theoretische Chance auf ein kleines Drehkreuz für Ostasien Kunden aus Berlin, der Flug Berlin – Ulaanbaatar – Tokio oder Seoul wäre mit günstigem Anschluss um bis zu drei Stunden kürzer als der Umweg von Berlin über Frankfurt. Man hat so was ja schon mal knapp eingerichtet, als es zur Ankunft des Berlinfliegers in UB eine Stunde später weiter nach Tokio ging. Allerdings muss man solche Angebote auch bewerben und die Voraussetzungen für einen Transit in UB ganz klar regeln.               

                   

Der Mongoleibesuch der Kanzlerin in den Medien

Oktober 14th, 2011

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Der Besuch der Bundeskanzlerin in der Mongolei ist nun Geschichte. Inwieweit sich dadurch die mongolisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen verbessern werden bleibt abzuwarten, zumindest waren ja in der Delegation auch einige Schwergewichte der deutschen Wirtschaft vertreten deren bloße Anwesenheit Symbolkraft entfalten kann.

Der wesentlichere Punkt des Besuches, die mediale Aufmerksamkeit und damit verbundene Werbung für die Mongolei als Standort, dürfte außerhalb der Bergbaubranche eher als ein Flop gewertet werden. Es gab vier oder fünf Standardtexte, die mehr oder weniger abgewandelt von allen möglichen Medien wiedergekaut wurden. Man hatte auch den Eindruck, dass die Texte zum Teil schon vor dem Besuch geschrieben worden sind und dann nur noch nach Protokollablauf aus der Schublade gezogen wurden. Viel recherchiert und vor allem vor Ort geprüft wurde auf alle Fälle kaum, eher wurden Klischees zitiert und zufällige Internetrecherche betrieben. Was dann raus kam waren solche Schlagworte und Überschriften wie Steppenstaat, Minilandebahn, bittere Armut, Todesstrafe, kalter Wind, Einhundert- Familien-Herrschaft, alte Männerparlament und leere Straßen. Das sind ja dann auch die Stichworte zum Thema Mongolei, die beim Leser ohne Hintergrundinformationen hängen bleiben werden.

Nehmen wir mal das Beispiel „Steppenstaat“, was immer auch das für eine Staatsform sein soll, es ist einfach der Ausdruck von totaler Respektlosigkeit. Sollte man dann Deutschland als einen Wald- und Wiesenland bezeichnen. Davon abgesehen verfügt die Mongolei auch über große Waldflächen und Wüste findet man dort genauso viel wie Steppe.

Die Sache mit der vermeintlichen „Minilandebahn“, auf der der neue Airbus A 340 der Kanzlerin angeblich nicht landen kann, ist genauso ein Ding. Erstens kann auf der Landebahn jedes Flugzeug landen, wenn es überhaupt Probleme gibt, dann beim Start und zweitens hat die Landebahn mit 3100 Metern absolutes Normalmaß, in Dresden oder Düsseldorf wäre man froh, hätte man diese Länge zur Verfügung.

„Bittere Armut“ in der Mongolei glaubt auf Anhieb jeder der es liest, aber das gerade im Vergleich zum vorher besuchten Vietnam als Unterschied zu zitieren ist geradezu abstrus. Das Bruttoinlandsprodukt in der Mongolei ist mit derzeit rund 2000 USD pro Kopf nominal deutlich höher als in Vietnam wo man es auf etwa 1300 USD bringt. Auch nach Kaufkraftparität gemessen ist es immer noch höher.  Der Motorisierungsgrad, also die Ausstattung mit privaten PKW, ist beispielsweise mit 80 PKW auf 1000 Einwohner in der Mongolei siebenmal so hoch wie in Vietnam, gut bei Mofas sähe es anders aus aber die zählen nun mal nicht als Index für den Lebensstandard.  Die Unterschiede im Wirtschaftswachstum, 15 Prozent in der Mongolei und 5 Prozent in Vietnam, mal ganz Außeracht gelassen .

Die „Todesstrafe“ klingt auch recht gefährlich, wird aber seit Jahren nicht mehr vollstreckt und nahezu jedes außereuropäische Land kennt die Todesstrafe, na ja abgehakt unter dem Thema die Kanzlerin brauchte ja einen Grund zum Großziel Weltverbesserung für ihre Dienstfahrt.

„Kalter Wind“ weht in Ulaanbaatar, da braucht man nichts dazu zu sagen, kalt ist es nun mal im Oktober in der Mongolei. Die „Einhundert Familien-Herrschaft“ klingt natürlich auch erstmal logisch, für den Leser. Man kann schon froh sein, dass man anstatt Familie nicht noch Nomadenclan geschrieben hat, denn das erwartet ja der Empfänger solcher Nachrichten. Da hockt eine handvoll Clanchefs, die alles unter sich ausmachen und wer nicht mitspielt spürt die Blutrache, Dschingis Khan Kultur eben. Was spielt es da für eine Rolle, dass größere Familienbünde in der mongolischen Kultur überhaupt keine Tradition haben.

Das „alte Männerparlament“ dürfte im Übrigen deutlich jünger sein als der deutsche Bundestag und zu den „leeren Straßen“ kann man nur sagen, wer in Ulaanbaatar um 7 Uhr in der früh unterwegs ist, wird nie im Stau stehen, weil das umgerechnet auf deutsche Tageszeit wohl so um 4 Uhr in der früh wäre, und wenn es in der Stadt nicht täglich spätestens am Nachmittag die berüchtigten Horrorstaus gäbe wäre es ja eigentlich wirklich schöner aber leider ist dem nicht so. 

Also aus der Sicht finde ich den Besuch nicht so nützlich wie erhofft, die breite Menge der Bevölkerung in Deutschland weis jetzt, so zusagen von der Kanzlerin bestätigt, was sie schon immer ahnte, die Mongolei ist ein schwer erreichbarer, kalter und bitter armer Steppenstaat am Rande der Welt der von einer handvoll alter Männer beherrscht wird die jetzt das Land an ausländische Firmen verkaufen wollen.  

Eine der wenigen Ausnahmen war ein Beitrag der sächsischen Freien Presse. Die hatte eigenes Material auf einer Halbseite zusammengestellt, in dem Zusammenhang sogar auf die traditionellen Beziehungen zur DDR und die 25 000 Studenten, die in der DDR absolviert hatten, verwiesen.  Anderswo tauchten die kaum auf oder man hatte die Studenten mal gleich in die Nachwendezeit versetzt. In den meisten Beiträgen ist die Kanzlerin auch angeblich die erste deutsche Regierungschefin, die jemals in der Mongolei war. Erich Honecker weilte aber mehr als einmal in Ulaanbaatar und sogar in der Umgebung.  Auch wenn er ein Kommunist war, er war ein deutscher Regierungschef oder ?   

 

                     

Boomendes Rohstoffland

Oktober 10th, 2011

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Dieser Container steht nun seit über 25  Jahren in Erdenet

Im  Zusammenhang mit dem Besuch der Bundeskanzlerin in der Mongolei kann man derzeit überall durch die Presselandschaft den Begriff vom boomenden Rohstoffland Mongolei lesen. Das ist natürlich auch richtig, die Mongolei verfügt über große Vorkommen an Kohle, Kupfererz, Gold, Flussspat, und Uran sowie den heute sehr gefragten Seltenen Erden. Was sonst noch so in den 1,5 Millionen qkm Boden versteckt ist, kann man nur ahnen.

In Größenordnungen wird derzeit hauptsächlich Gold abgebaut, legal, halblegal oder illegal wird allerorten gegraben und gewaschen, wie viel es pro Jahr wirklich ist kann man auch nicht so genau sagen, denn etliches wird unter der Hand verkauft. Mit geordnetem Bergbau hat das ganze nur noch selten etwas zu tun. Der findet derzeit hauptsächlich bei der Kupfererzgewinnung in Erdent statt, sozusagen ein Musterbetrieb aus Vorwendezeiten, denn hier wurde neben der Mine gewaltig in die Infrastruktur investiert und heute ist diese Stadtneugründung mit 100 000 Einwohnern die zweitgrößte der Mongolei. Das Vorkommen an hochwertigem Kupfererz neigt sich aber langsam dem Ende zu. Die Mongolei bleibt aber nach wie vor Kupferexporteur, denn das nächste Vorkommen, Oyu Tolgoi in der Südgobi, wird ab 2013 fördern. Hier sind mit Rio Tinto und Ivanhoe zwei internationale Firmen zugange, die zwar eine hochmoderne Förderung aufbauen, aber an einer weiteren Infrastruktur außerhalb der Mine wenige Interesse haben.

Bei der Kohle ist das so eine Sache, bisher haben mongolische Firmen für den eigenen Markt gefördert, also hauptsächlich die Kraftwerke im Land beliefert, das wird bald anders. Die enormen Vorräte liegen recht günstig und lassen einen Export nach China günstig erscheinen. Etliche internationale Firmen haben großes Interesse und mit den Gruben sind auch schon Kraftwerke geplant um gleich den Strom nach China exportieren zu können.

Nicht unterschätzen sollte man die Bedeutung der Uranvorräte, wenn auch in Deutschland  mittlerweile ein no go, weltweit ist die Uran Nachfrage enorm und die Mongolei hat sehr große Vorkommen. Hier sind wohl die Russen diejenigen, die am ehesten für einen Abbau in Frage kommen.

Die seltenen Erden sind derzeit zwar in aller Munde, aber der Abbau in der Mongolei ist noch wenigsten weit fortgeschritten.

Immer wieder gehofft wird natürlich auch auf das symbolträchtige Öl, es gibt zwar Vorkommen, aber die Größenordnungen sind wohl eher mäßig. Es wäre schon schön, wenn man sich mal selbst versorgen könnte.

Alle die genannten Bodenschätze und auch die großen Vorkommen dazu sind schon seit den 1980 er Jahren bekannt. Die große geologische Expedition des damaligen Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) hatte aufwendig erkundet und sehr gute Arbeit geleistet. Von der politischen Wende 1990 bis etwa 2000 ist aber nicht allzu viel im Bergbau der Mongolei passiert, danach wurden zunächst die Kanadier wach. Zumindest haben sie dort angesetzt, wo die geologischen Erkundungen des RGW aufgehört hatten und so nach und nach kamen immer mehr Interessierte aus aller Welt, allerdings nie aus Deutschland, obwohl die Deutschen mit den Daten der DDR Geologen über die besten Informationen in der westlichen Welt zu den Rohstoffvorkommen in der Mongolei verfügten.

Das Problem war hauptsächlich, dass sich keiner der Offiziellen vor Ort, also Botschaft, GTZ oder Stiftungen, für die Frage der Bodenschätze überhaupt interessierte. Noch weit über das Jahr 2000 hinaus, wurde von ihnen bei allen möglichen Anlässen und Reden die Wirtschaft der Mongolei auf die Viehzucht und den Tourismus reduziert und das wirtschaftliche Entwicklungspotenzial an sich eher mitleidig beurteilt.

Da setzte zum Beispiel auch die Arbeit der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) an. Hygieneaufklärung der Viehzüchter, Minikredite an Kleinsthandwerker, Managementpläne für Nationalparks in unbesiedelten Regionen usw., die Liste ließe sich weit fortsetzen.  Was die Entwicklungszusammenarbeit betraf, kann man im Grunde Dirk Niebel zitieren, es wurden Tanztherapeuten zur Trauerbewältigung geschickt. Seit ein paar Monaten hat sich das Bild völlig geändert, die Mongolei wird in deutschen Medien zum regelrechten Rohstoffgiganten aufgebaut, wobei man manchmal vergisst, Rohstoffe sind erst beim Käufer ihren Preis wert und bis zu dem sind in der Mongolei manchmal erst 1000 Kilometer unwegsames Gelände zu überwinden. Die deutsche Wirtschaft will sich Exklusivrechte über ein Rohstoffabkommen sichern und die deutsche Regierung mischt kräftig mit. Die Ereignisse überschlagen sich nun förmlich. Schlechthin gelten aber Deutsche in der Mongolei nicht als die Idealpartner für gemeinsame Projekte, zu ängstlich, zu bürokratisch und zu rechthaberisch keine allzu guten Voraussetzungen für die Mongolei, aber im Ausrüstungs- und Anlagensektor sind deutsche Produkte immer gefragt, sofern überhaupt mal jemand den Weg in die Mongolei findet und dort ein wenig Engagement zeigt.                

Wiedervereinigung der Mongolen?

Oktober 4th, 2011

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Nur auf den ersten Blick sehr ähnlich, innere und „äußere“ Mongolei 

Am Tag der deutschen Einheit ist mir gerade mal wieder eine Frage durch den Kopf geschossen, die ich so gestellt nicht nur einmal von Deutschen an Mongolen gehört hatte, nämlich die nach einer Wiedervereinigung der Äußeren mit der Inneren Mongolei. Also der Republik Mongolei mit dem Autonomen Gebiet Innere Mongolei in China.

Ich glaube eine Mongole würde diese Frage kaum stellen, aber von Touristen wie gesagt, habe ich das schon ab und an mal gehört.

Es ist überhaupt so eine komische Sache mit der Inneren und der Äußeren Mongolei, es gibt im Westen nicht wenige Leute, die erzählen davon in der Mongolei gewesen zu sein und am Ende waren sie aber in der Autonomen Region in China. Wenn ein Chinese nach München fliegt, da wird er ja auch nicht erzählen, er fliegt in den Freistaat Bayern, ich denke er fliegt nach Deutschland. Es gab sogar eine Zeit, da schrieb ein westlicher Ethnologe über die mongolische Kultur und bezog sich dabei immer auf die Innere Mongolei und am Ende des Aufsatzes stand sinngemä߅..es leben auch Mongolen in der von der Sowjetunion dominierten so genannten Mongolischen Volksrepublik, dort ist die typische mongolische Lebensweise aber weitgehend verdrängt.      

So einen Unsinn braucht man nicht weiter zu kommentieren, aber wie sieht es nun eigentlich mit einer Wiedervereinigung aus? Wenn man mal die Geschichte betrachtet, dann gab es die Unterscheidung in die Innere Mongolei und die Äußere Mongolei selbst in der Zeit, als beide Regionen zum chinesischen Staat gehörten und das über mehrere Jahrhunderte. Auch da gab es Unterschiede in der Lebensweise. Was aber in den letzten 90 Jahren passiert ist, waren zwei völlig unterschiedliche Entwicklungen.

Auf den ersten Blick kann man schon  Gemeinsamkeiten ausmachen, hier wie dort leben die Viehzüchter in Jurten und die Art und Weise der Viehhaltung ist erstmal ziemlich gleich. Aber selbst wenn man mal die traditionelle Lebensweise vergleicht gibt es Unterschiede, in der Inneren Mongolei verwendet man neben chinesischen Schriftzeichen die alte mongolische Schrift in der Mongolei schreibt man kyrillisch. In der Inneren Mongolei betreibt man ziemlich ernsthaft den tibetischen Buddhismus, in der Mongolei ist man weniger religiös und wenn, dann hängt man heute eher schamanischen Ritualen an. Phonetisch kann ein Mongole aus der Inneren Mongolei kaum verbergen, dass er in China zu Hause ist, es singt und klingt wie in einer Peking Oper.

Nehmen wir mal die praktische Seite einer Wiedervereinigung. Abgesehen davon, dass chinesische Regierung sicher was dagegen hätte, in der Inneren Mongolei leben weniger als 20 Prozent Mongolen, was würde man mit den 80 Prozent Chinesen machen, werden die dann Ausländer oder siedelt man sie um?

Es gibt auch nicht mal eine gemeinsam Spurweite für die Eisenbahn und zwischen den beiden dann größten Städten keine durchgängige Straßenverbindung.

Bleibt noch die Frage nach dem Nutzen und für wen? Für die Mongolen in der Inneren  Mongolei wäre das nahezu die gleiche Situation wie heute, sie wären wohl so eine Art  autonomes Gebiet innerhalb der Mongolei, über 1000 Kilometer von der Hauptstadt Ulaanbaatar, getrennt durch eine Wüste und ohne große Aussichten in den Hierarchien und Strukturen der Mongolei einen wesentlichen Platz einzunehmen. Wirtschaftlich gesehen wäre es nicht viel anders, denn in der  Inneren Mongolei gibt es kaum größere Firmen in mongolischem Besitz, in Ulaanbaatar hat man dagegen schon den Kuchen aufgeteilt. Man wäre also wirtschaftlich wieder von den Chinesen oder den Landsleuten aus der Republik Mongolei abhängig.

Da der mongolische Staat wesentlich weniger potent ist als der chinesische, würde sich die Infrastruktur deutlich langsamer entwickeln als heute.

Nun zu den „äußeren“ Mongolen, was hätten die davon, mal vorausgesetzt die vielen Chinesen ließen sich ausbürgern, sie wären die Minderheit im eigenen Land, denn die Mongolen in China sind deutlich mehr an der Zahl. Die bisher sehr geringe Analphabetenrate in der Mongolei würde dramatisch steigen, da die neuen Bürger entweder das Kyrillisch nicht lesen und schreiben könnten oder überhaupt zum großen Teil noch Analphabeten sind.

Man müsste mit einem großen Aufwand zwischen beiden Gebieten erstmal Verkehrswege schaffen und man würde interessante Altlasten übernehmen, wie vom unkontrollierten Kohlebergbau völlig verseuchte Landstriche, riesige Truppenübungsplätze und ein Testgelände für oberirdische Kernwaffenversuche. Dazu die zunehmende Desertifikation und medizinische Versorgungsstruktur aus dem Mittelalter.

Wenn man mal diese Aspekte betrachtet, dürfte neben der politischen und organisatorischen Unmöglichkeit vor allem auch der Punkt, dass keine der beiden Seiten davon wirklich einen Vorteil, hat eine Wiedervereinigung unmöglich machen.