Archive for the ‘Politik’ Category

Das Kreuz mit dem Luftdrehkreuz

Donnerstag, Oktober 18th, 2018

Die Diskussion über einen neuen Flughafen für Ulaanbaatar ist alt, eigentlich fast so alt wie das neue Gebäude am derzeitigen Flughafen. Wobei man gleich sagen muss, das Gebäude, bzw. die Infrastruktur am derzeitigen Hauptstadtairport  ist noch lange nicht an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Da könnten gut und gerne die doppelte Anzahl von Passagieren abgefertigt werden, ohne dass sich jemand bedrängt fühlen müsste. Wenn es eine Begründung für einen neuen Flughafen gibt, dann ist es einfach die Lage, und zwar die Lage einem Tal. Für den täglichen Betrieb bedeutet das ganz einfach, man kann nur von einer Seite hinein aber auch nur zur gleichen Seite wieder hinaus.  Da Flugzeuge die schlechte Eigenschaft haben, bei Rückenwind nicht starten zu können, kann man also in dem Fall nicht ausweichen, während man auf den meisten Flughäfen der Welt einfach die Startrichtung umdreht muss man in UB am Boden bleiben. Nun kommt aber auch noch hinzu, dass die MIAT als typisch mongolisches Unternehmen, immer mal hochfliegende Pläne hat. In dem Fall den vom Drehkreuz. Ganz abwegig ist das nicht, immerhin liegt Ulaanbaatar recht günstig und jeden Tag fliegen hunderte Flieger von Europa nach Asien über die Mongolei, aber dazu braucht man eben mehr als die bisherigen 6 Flugzeuge. Praktisch sehe das so aus, der Flieger aus Berlin erhält am Morgen in Ulaanbaatar Anschluss an den von UB nach Tokio und der Berliner ist damit mindestens  drei Stunden kürzer von Berlin nach Tokio unterwegs als wenn er über Frankfurt fliegt. Könnte schon jetzt so funktionieren, wenn die Anschlüsse da wären und es einen funktionierenden Transitbereich geben würde, aber genau den gibt es nicht. UB ist genau wie Tegel als Endstationsflughafen gebaut worden, d. h. man ging davon aus alle wollen hier hin oder fliegen hier ab, Umsteiger ausgeschlossen. Einen so bestehenden Flughafen auf Transitverkehr umzubauen geht praktisch so gut wie nicht, also muss ein neuer her.

Die Entscheidung dazu wurde schon 2009 getroffen, allerdings passierte  dann eine ganze Weile gar nichts. Im September 2013 wurde dann aber wirklich mit den Bauarbeiten begonnen. Unter japanischer Leitung begannen hauptsächlich chinesische und koreanische Firmen einen Wettlauf mit der Zeit. Der Flughafen sollte Ende 2016 fertig sein, es gab auch monatlich Berichte auf der eigens eingerichteten Webseite dazu und es war dann tatsächlich so, im Januar 2017 war er baulich fertig.  3600 Meter Betonlandebahn, ein hochmodernes  Abfertigungsgebäude mit 6 Anlegern und genügend Vorfeldplätzen, Feuerwehrgebäude, Parkplätze, alles da, was fehlte, war eine Straßenanbindung. Dafür hatte der mongolische Staat sorgen wollen, was in diesem Fall nicht ganz geklappt hatte. Vierzig Kilometer Autobahn sind eben auch noch ein ganz schöner Brocken. Von nun ab verschob sich die Eröffnung im Halbjahrestakt, die Straße war aber wenigstens im Bau. Ende 2017 macht man dann wohl mal den Check, wie man den Betrieb umlegen könnte, dabei kam heraus, dass kaum Personal vom alten Flughafen bereit war auch in dem neuen zu arbeiten, der Grund war ziemlich simpel, kaum einer wollte für den Lohn jeden Tag drei Stunden im Auto verbringen um dahin und wieder zurück zu gelangen. Es gab außer dem Flughafengebäude und dessen Anlagen nicht mal eine Jurte im Umkreis von 20 Kilometern. Damit wurde wohl auch den Politikern klar, dass zu einem Flughafen neben technischen und baulichen Anlagen auch Personal gehört und zu denen auch eine Wohnung und wenn die aber 50 Kilometer entfernt liegt der Anreiz dort zu Arbeiten relativ gering ist. Gerade die vielen Kleinverdiener, die auch an so einem Flughafen gebraucht werden, wären ja völlig uninteressiert gewesen. Nun hätte es in der Mongolei eine schnelle mongolische Lösung geben können, Flächen zuteilen und Jurten aufbauen, aber das wollte verständlicherweise auch der Staat nicht, eine Jurten Siedlung als erstes Bild beim, Landeanflug.  Fazit es muss eine Lösung her, ohne Jurten, also eine neue Stadt und man wäre nicht in der Mongolei, wenn die nicht gleich für einhunderttausend Einwohner geplant würde. Seit ein paar Monaten buddelt und betoniert man wieder am Flughafen, diesmal für die neue Stadt. Eröffnung des Flughafen soll nun im August 2019 sein, vermutlich werden da auch die ersten Wohnungen bezugsfertig sein, ob es dann jemals zu der einhunderttausend Einwohner Stadt kommen wird bleibt fraglich, aber eine eigene Kleinstadt wird es schon werden und wenn dann die MIAT die Vorstellungen vom Drehkreuz in die Tat umsetzt, dann heißt es vielleicht wirklich mal Berlin-Tokio oder Seoul via ULN und wenn man mal doch seinen Anschluss in UB verpasst übernachtet man im Hotel in der neuen Flughafenstadt, mitten in der Steppe.

 

Kohle machen mit der Kohle

Sonntag, September 23rd, 2018

Wenn man mal ganz realistisch betrachtet, womit man so in der Mongolei am schnellsten Geld verdient, dann kommt man nicht auf das Gold, nicht auf Kupfer, auch nicht auf Cashmere oder gar Tourismus, nein es ist die hierzulande totgesagte Kohle. Die Kupfermine Oyu Tolgoi läuft zwar, aber die prognostizierten riesigen Auswirkungen auf Wirtschaft und Steuern bleiben weit zurück, es wird zwar fast jeden Tag eine neue Goldmine aufgenmacht, aber es sind immer nur eine handvoll Leute die da mitmischen und Steuern bei Gold? Das sickert eher so irgendwo durch. Ohne jahrzehntelange Verhandlungen, so kaum bemerkt von der Öffentlichkeit ist aber Tawan Tolgoi, das wohl größte Kohlevorkommen auf dieser Erde in Betrieb gegangen. Hätte man nicht in den Nachrichten vom größsten Stau der Welt gehört, 180 Kilometer LKW Schlange in der Gobi, hätte man wohl kaum eine Vorstellung davon, was da täglich an Kohle aus der Mongolei nach China unterwegs ist. Kohle ist nach wie vor der Energieträger für die Stromerzeugung aber auch in anderen Bereichen der Schlüsselindustrie unabdingbar. China, zweifellos die Fabrik der Erde braucht viel Kohle und die liegt in der Mongolei knapp unter der Grasnarbe, in bester Qualität und es müssen keine Siedlungen, Wälder oder Straßen weichen, man schiebt nur den Schotter der Wüste beiseite. Schaut man sich den Preis aller in der Mongolei verfügbaren Bodenschätze an, so ist auch derzeit die Tendenz bei der Kohle am steilsten nach oben. Bei 72 USD pro Tonne liegt der Preis jetzt im September und damit noch deutlich über dem 5 Jahreshoch. Der Anteil der Lohnkosten ist auch bei der Kohleförderung deutlich höher als bei Gold, Kupfer oder neuerdings Öl. Das heißt, es sind mittelbar und unmittelbar relativ viele Leute beteiligt und das Geld, was damit verdient wird findet sich relativ schnell im Kreislauf von Ausgeben und Einnehmen. So richtig gut könnte das Geschäft für den Staat werden, nämlich wenn er endlich die für Oyu Tolgoi schon lange zugesagten Kohlekraftwerke in der Südgobi bauen würde und dann den Strom verkaufen würde, aber auch bei der Kohle, die jetzt über die Grenze geht, verdient der Staat ganz gut, einen Kohle LKW kann man kaum am Zoll vorbei außer Landes schaffen. Im Gegensatz zu Kupfer oder Gold kennt man aber auch kaum die Kohlebosse, sie wirken eher unerkannt stehen lange nicht so im Fokus wie die Leute von Oyu Tolgoi. Kohle ist für den Mongolen eben sowas wie Feuerholz, viele brauchen es selber, es eben so da und man muss es einsammeln. Kürzlich fand in UB eine interntionale Kohlekonferenz statt, man ist also auch ganz intensiv daran, die Situation für alle Beteiligten weiter zu verbessern. Bis vor kurzem sah es zumindest für den Laien so aus, dass die Kohle in der Mongolei außer Mode kommen würde. Die Regierung wollte den internationalen Meanstream bedienen und sprach nur noch von Wind und Solarenergie, die ja bekanntlich auch in der Mongolei nachts nicht vorhanden sind und das bei einem fast Inselnetz, bei dem schon geringste Angbotsschwankungen zu Totalchaos führen können, die Stadtrandbewohner von UB sollten mit Holz statt Kohle heizen, wobei bekanntlich vielmehr Feinstaub als bei Kohle in den Himmel von Ulaanbaatar geblasen worden wäre und die internationalen Geldgeber wollten aus allen Kohleprojekten aussteigen, weil die ja so unzeitgemäß sind. Nun ist aber alles anders geworden, der Staat ruft nach Kohle für seine Kraftwerke, die an den Leistungsgrenzen fahren müssen, die Leute wollen ihre Häuser im Winter schnell warm bekommen und die Chinesen ziehen alles ab, was verfügbar ist und man kann es vielerortens sehen, der Rubel rollt wieder, es wird nach Jahren der Beschränkung wieder Geld ausgegeben.

auf dem Parkplatz vor der internationalen Kohlekonferenz in UB

Die Baukräne von Ulaanbaatar

Sonntag, September 23rd, 2018

Wenn man die Situation in Ulaanbaatar im Sommer 2018 beschreiben will, kommt man nicht umhin über Baustellen zu berichten. Man hat wirklich den Eindruck im Monent läuft das auch sonst schon bemerkenswerte Baugeschehen aus dem Ruder. Das betrifft nicht nur den Bau neuer Stadtviertel, auch der Verkehrsbau läuft auf Hochtouren. Die Autobahn zum neuen Flughafen, immerhin über 31 Kilometer, ist so gut wie fertig,  neue Straßenknotenpunkte in mehreren Ebenen sind im Bau, genauso wie Brücken und Industriebauten. Am beeindruckendsten sind aber die Baustellen im Wohnungsbau insbesondere wenn man das Geschehen mit dem vergleicht, was man hierzulande dazu sieht um die Wohnungsnot, wie man so schön sagt, zu bekämpfen. Ich habe mich mal da an einem Septembertag auf den Weg vom Zentrum zum Zaisan gemacht und nur die Kräne fotografiert, die man da so vor die Linse bekommt. Da sind nicht die dabei, die man an den beiden neuen Stadtvierteln am alten Flughafen zu Gesicht bekommt, die sich um den Ökopark an der Fertigstellung des dortigen neuen Stadteiles beteiligen oder die zwischen Shangri La und Tuul Fluss Luxusquartiere schaffen. Insgesamt mag man den Eindruck gewinnen, dass im Moment über den Bedarf hinaus gebaut wird, aber man muss natürlich immer im Auge haben, die Stadt wächst immer noch, um mindestens 30 000 Einwohner im Jahr, grundsätzlich kommt also jedes Jahr eine neue Kleinstadt hinzu. Natürlich wird der Hinzuziehende vom Lande nicht gleich eine der Eigentumswohnungen kaufen, aber der Prozess pflanzt sich ja fort. Vermietet der Alt-UB Einwohner seine Wohnung an einen Neubürger und legt ein paar Tugrig drauf, kann er einen Kredit für eine neuere, größere oder einfach passendere Wohnung aufnehmen. Setzt sich die Entwicklung weitere zehn Jahre so fort, wird die Bevölkerungszahl bei 2 Millionen landen und es sind nicht unbedingt kleine Wohnungen, die da zur Zeit verkauft werden. Es wird also vor allem in die Höhe gebaut, urban, asiatisch und effektiv.

Die aberwitzigen Bauprojekte aus UB

Freitag, Oktober 26th, 2012

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Nachdem für Oberschichtenwohnviertel ganze Täler geopfert werden, will die Regierung nun auch aus Ulaanbaatar rausziehen

Im Sommer 2011 hatte ich das Vergnügen in ein Projektbüro in Ulaanbaatar eingeladen zu werden, dass sich mit der Planung einer Studentenstadt beschäftigte.

Es war eine staatliche Einrichtung, die im Auftrag des Bildungsministeriums halb privatwirtschaftlich, halb behördlich agierte. Im Büro erwarteten mich ein paar Mitarbeiter an weitgehend leeren Schreibtischen, lediglich ein älterer Mann mit kariertem Hemd und Strickjacke bemühte sich gerade mit Lineal und Bleistift in einer topografischen Karte eine Gefällestrecke zu ermitteln. Ihm gegenüber saß ein junger Mensch im glänzenden Anzug und beschäftigte sich permanent mit seinem iPhon.

Mein Gesprächpartner, der Chef des Büros, empfing mich mit den leider so typischen philosophischen Phrasen, die zumindest schlechte mongolische Verwaltungsbeamte so ständig an den Mann bringen wollten. Der eigentliche Schatz der Mongolei sei nicht, wie alle Denken, im Boden versteckt, sondern in den Köpfen der jungen Leute und er sei mit seinem Projekt sozusagen der Bergmann des Wissens. Da ich die Mongolei und seine hohen Beamten seit vielen Jahren kenne, hat mich das recht wenig beeindruckt und ich wollte relativ schnell zur Sache kommen. Er führte mich dann an ein Modell auf dem zahllose Holzklötzchen verschiedene Gebäude darstellen sollten. Solche Modelle waren im ehemaligen Ostblock sehr beliebt, da man damit den Parteifunktionären in einer recht primitiven Form die Ausmaße eines Großprojektes veranschaulichen und für Zustimmung werben konnte. Neben einer Unmenge von Quadern für verschiedenartige Gebäude konnte man natürlich auch Sportanlagen, ein Stadion, Parkanlagen, ein Schwimmbad und Veranstaltungsgebäude erkennen. Interessant war, dass es sich nicht um einen neuen Stadtteil von Ulaanbaatar handeln sollte, nein es sollte eine neue Stadt werden. Eine Studentenstadt ungefähr dreißig Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Hier wollte man also all das, was man in Ulaanbaatar an Problemen seit Jahren nicht in den Griff bekommt mit einem Schlag von Anfang an gelöst haben.

In diesem elitären Stadtsatelliten sollten zukünftig alle Studenten der Mongolei, alle Hochschulen und Universitäten samt ihren Dozenten, Mitarbeitern und deren Familien, also einhunderttausend Menschen leben. Der Chef war unglaublich begeistert von diesem Projekt und schwärmte davon, dass damit die Mongolei zur Wissenschaftsnation aufsteigen würde. Ich sah die Sache allerdings etwas anders und konnte mir den Gedanken nicht verkneifen, dass irgendwelche Leute einfach wollten, dass ihre Kinder ihr Studium abseits des Blickes auf Jurtensiedlungen, ohne Verkehrsstau und Smog im Winter, in einer Umgebung genießen können, die keine sozialen Verwerfungen zeigt und in der die Armut einfach draußen bleibt.

Mit gefiel also das Projekt vom ersten Moment an nicht, ich versuchte aber dennoch hinter ein paar Zahlen und Fakten zu kommen. Das war aber fast unmöglich. Der Chef kannte noch eine große Gesamtsumme, das waren 3,6 Milliarden USD, das wäre Bildung schon wert, wie er sagte. Mir schien das für den mongolischen Staatshaushalt eine geradezu utopische Größenordnung, wo bisher die größten staatlichen Infrastrukturprojekte im unteren zweistelligen Millionenbereich enden.  Auf die Frage, wie lange an dem Projekt gebaut werden sollte, meinte er maximal fünf Jahre! Das wären dann doch über 700 Millionen USD pro Jahr, da wäre doch die Hälfte der Staatseinahmen für 5 Jahre nur dafür aufzuwenden?  Um eine Antwort sichtlich verlegen, sagte er, dass ja vieles davon privat finanziert würde und man auch internationale Investoren suche. Ich stelle mir gerade vor, wie internationale Banken ein Hochschulgebäude in der mongolischen Steppe finanzierten um dann im Gegenzug mongolische BWLer zu erhalten. Spaß beiseite, aber hier fühlte ich mich schon fast wie in einem Märchenfilm. Die Wohnhäuser für Studenten und Angestellte würden natürlich von privaten mongolischen Investoren errichtet, die sie dann vermieten könnten. Auf die Frage, wie hoch denn für einen gewöhnlichen mongolischen Studenten die Miete sein sollte, meinte er, natürlich nicht sehr hoch, kramte in seinem Gedächtnis und sagte dann was von zum Beispiel hunderttausend Tugrig, also 60 USD.

Da aber die Quadratmeterpreise für neuen Wohnraum  in Ulaanbaatar bei fast 2000 USD liegen, könnte man dafür ja kaum 5 Quadratmeter vermieten, wenn man noch ein paar Cent Gewinn machen will. Er reagierte auf diese Bedenken ziemlich genervt. Da es aussichtslos erschien, vom Chef ein paar wirklich fundierte Zahlen zu bekommen, fragte ich aus Höflichkeit noch nach ein paar Details zur Infrastruktur, also Verkehrsanbindung, Energieversorgung, Abwasserentsorgung was aber noch mehr in Leere lief, denn er verwies immer nur auf noch durchzuführende Untersuchungen, was aber in Anbetracht des geplanten Baubeginnes im Jahr 2102 nun schon beste Münchhausengeschichten in den Schatten gestellt hätte.

Ich dachte nun, dass nach der Wahl diese Projektidee dorthin gewandert wäre, wo sie hingehört, in die Mülltonne der phantastischen Wahlversprechen. Dort wo nun auch die Hochgeschwindigkeitsbahn nach Darchan, die Hightechmetro im Jahr 2017 oder die zahllosen anderen Legenden gelandet sind, nein, ich muss erschreckt feststellen, dass auf einer Veranstaltung in Berlin in den vergangenen Tagen dieses Projekt sogar noch eine Schwester bekommen hat, die eigene Vorstadt für die Regierung. Ganz nach dem Motto, den Politikern und Regierungsbeamten ist Ulaanbaatar nicht mehr zuzumuten. Diese neuerliche Vision wurde, zusammen mit der Studentenstadt, in einer Veranstaltung vor deutschen Unternehmern durch eine Delegation unter Führung des Oberbürgermeisters von Ulaanbaatar präsentiert. Machen wir es doch einfach umgedreht, wenn diese Leute UB nicht mehr ertragen wollen, dann kann doch besser die ganze Regierung auswandern. Eine Regierung sucht sich ein neues Land, indem es keine Jurtensiedlungen, kein Verkehrschaos, keine Luftverschmutzung und nur billige aber dennoch nicht arme Untertanen gibt. Für die Mongolei wäre es vielleicht die beste Lösung.

Wahlkampf in der Mongolei

Donnerstag, Juni 21st, 2012

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Innerhalb eines Tages an die Wohnungstür gebracht

Am 28. Juni wird in der Mongolei ein neues Parlament gewählt. ich möchte mich hier nicht zu der einen oder anderen poltischen Partei bekennen oder über den Ausgang spekulieren, ich möchte einfach meine Eindrücke schildern, die ein paar Tage mongolischer Wahlkampf hinterlassen. Man kann dem Geschehen auch nicht entgehen, denn der Wahlkampf wird omnipräsent, aufdringlich, und extrem verschwenderisch geführt. Wenn es sich in Deutschland die Spitzenkandidaten der Parteien leisten mit einem plakatierten Bus durch die Lande zu ziehen, hier hat jeder Parlamentskandidat und das sind immerhin um die 600 einen Bus oder Zumindest einen Kleinbus, der für ihn die Straßen auf- und abfährt. Jeder Kandidat hat einen eigene Wahlbroschüre in der er seine ganz persönlichen Versprechungen macht. Da wären wir auch schon bei den Inhalten, es geht da weniger um abgestimmte Parteiprogramme sondern um oftmals selbst ersonnene Versprechungen. Da verheißt der Kandidat A einer Partei, den Bau einer Metro bis 2015 und Kandidat B der gleichen Partei will eine Hochgeschwindigkeistbahn zwischen Uaanbaatar und Darchan bauen lassen. Abgesehen davon, dass beide Beispiele ins Reich der Märchen gehören, sieht man daran, wie eng man sich wohl mit der Parteiführung abgestimmt hat.
Das Fernsehgerät kann man in diesen Tagen komplett auslassen, denn die koreanischen Seifenopern werden nur noch von Wahlsendungen unterbrochen. Das Geschäft des Jahrzehntes für die Sender, denn jede Minute, ob simple Wahlwerbung oder gesponserte „Fachbeiträge“ der Kandidaten, alles wird bar bezahlt. Hier wären wir auch gleich beim Geld. Jeder Direktkandidat bezahlt, alles selbst, die Prospekte, den Bus, die Helfer, die Plakate, die Wächter, die die Plakate bewachen müssen, die Konkurrenz schläft ja nicht und natürlich die TV Sendungen.
Da kommen ganz locker mal fünfzig- bis einhunderttausend USD Dollar zusammen, für einen Hintlerbänkler, die großen gehen auf Nummersicher und legen so auch mal eine Viertelmillion hin. So richtig was kostenlassen hat sich der Bürgermeister der Hauptstadt die Sache, ein Hochglanzheft vom Feinsten stellt ihn als eine edlen Recken dar. Die Frage ist nur, warum gibt jemand eine halbe Million aus, um sich einen Job zu sichern, der dann 500 ! Euro im Monat einbringt. Ein Schelm wer Arges dabei denkt. Aber trotz eines so kläglichen Saläres, wird man in der Mongolei als Minister, die verdienen auch kaum mehr oder Hauptstadtbürgermeister innerhalb nur weniger Amtsjahre wie durch ein Wunder zu einem vermögenden Millionär.
Ja, Politik ist in Ulaanbaatar ein riesen Geschäft, aber alle vier Jahre wird der Wahlkampf zu einem noch größeren, bei dem holen sich Einige von dem etwas zurück, Druckereien, Wahlkampfhelfer, Fernsehjournalisten bis hin zu den Kleinkrimminellen, die nachts im Auftrag der Anderen die überdimensionalen Plakate wieder runterholen.

Staatsbesuch

Samstag, März 31st, 2012

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Derzeit weilt der mongolische Präsident Elbegdorj in Deutschland zum Staatsbesuch. Vorausgegangen war dem ja der Besuch der deutschen Kanzlerin im Oktober 2011 in der Mongolei. 

Schwerpunkt des Besuches sollen nach offiziellen Angaben Themen der Rohstoffpartnerschaft sein, hierzu wurde ja im schon ein Abkommen unterzeichnet, aber auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll in Schwung gebracht werden.

Das Abkommen zur Rohstoffpartnerschaft ist ja hauptsächlich eine Willenserklärung auf Regierungsebene, relativ unkonkret und für die deutsche Politik Neuland.

Als konkretes Beispiel für die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird dabei immer die geplante Anlage zur Kohleverflüssigung genannt. Dazu reist der Präsident auch zu Thyssen Krupp um dort einen Vertrag zu unterzeichnen. Auf eine Frage in der Pressekonferenz hin, hatte die Kanzlerin klar gestellt, dass Thyssen Krupp hier ausschließlich auf privatwirtschaftlicher Basis als Unternehmen handelt und die Bundesregierung, was auch nicht anders zu erwarten war, nicht an dem Projekt beteiligt ist.

Unklar ist aber, wie die mongolische Seite mit dem Projekt umgeht, wenn Elbegdorj zur Vertragsunterzeichnung reist, kann das ja nur bedeuten, dass der mongolische Staat Partner von Thyssen Krupp wird? Man kann auch kaum davon ausgehen, dass Thyssen Krupp die Anlage betreiben möchte, es bleibt also die Konstellation, dass Thyssen Krupp die Anlage errichtet und der mongolische Staat Eigentümer wird. Ein Staatsbetrieb in der Größenordnung hätte aber der Mongolei noch gefehlt. Mongolische Staatsbetriebe sind allesamt Versorgungsinstitute für Angehörige von Politikern. Da werden bestbezahlte Posten und viele Privilegien an Leute vergeben, die da eigentlich überhaupt nicht hingehören. Das Problem dürfte sich noch extrem verschärfen, wenn man das Risiko des Projektes betrachtet. Sicherlich ist die Kohleverflüssigung für die Mongolei ein sinnvolles Vorhaben, wenn es wirtschaftlich ist, aber genau da liegt der Hase im Pfeffer. Keiner der Beteiligten, auch Thyssen Krupp nicht, kann sicher sein, ob die Anlage wirklich die gedachten Parameter errechen wird. Es gibt einfach keine Beispiele. Die Technologie wurde lediglich in Südafrika als Notlösung angewendet, es wurden schon lange keine neuen Anlagen errichtet und keiner kann sicher die Kosten des Verfahrens einschätzen und welchen Einfluss die speziellen Bedingungen in der Mongolei, ich denke nur an 5 Monate Winter mit bis zu minus 40 Grad, haben werden, ist allemal theoretisch abschätzbar.

Wenn es nun ein Staatsbetrieb wird, dann kann nur Thyssen Krupp gewinnen, für die wäre es sozusagen ein gut bezahlter Feldversuch für eine neue Technologie, für den mongolischen Steuerzahler wird es im besten Fall eine Nullbuchung, im schlimmsten Fall eine echte Belastung. Nullnummer deshalb, weil ein Staatsbetrieb in der Mongolei vermutlich kaum Gewinne machen wird, dafür wird man schon sorgen und eine Belastung dann, wenn der Betrieb Verluste schreibt.

Wie also soll der Vertrag aussehen, der in diesen Tagen unterschrieben wird? Oder haben die bauernschlauen Regierungspolitiker in der Mongolei schon einen Plan B im Hinterkopf. In der Art, dass der Staat das Projekt finanziert und dann später wenn es läuft privatisiert? Auf die Art sind ja ganze Landstriche an ausländische Bergbaufirmen verkauft worden. Man hat die staatlichen Archive auf Explorationsberichte durchforstet, die juristischen Voraussetzungen geschaffen, dass man dann als Privatmann die Rechte an den Grundstücken billig erweben konnte, sich die Abbaurechte günstig dazu besorgt und dann nach ein paar Jahren Explorationsberichte, Grundstücke und Lizenzen als fettes Paket für sehr viel Geld wiederverkauft.   

Warum also unterzeichnet der mongolische Staat, bzw. der Präsident einen Vertrag für dieses Projekt? Es ist nicht unüblich, dass bei Staatsbesuchen bedeutende wirtschaftliche Verträge abgeschlossen werden, aber da stehen in der Regel die Politiker nur dabei und sonnen sich in der Rolle des Vermittlers, maximal schließt man noch mit Regierungen von ehemaligen Sowjetrepubliken wie Usbekistan oder  Turkmenien wirtschaftliche Verträge. Dort gehören große Firmen formal dem Staat, werden aber von den Herrscherclans nach Gutdünken privat ausgebeutet werden. Die Mongolei ist eine parlamentarische Demokratie und es sollte eigentlich eine strikte Trennung zwischen privatem und staatlichem Eigentum gelten.

Man sollte also in der Mongolei aufmerksam verfolgen, was da bei Thyssen für ein Vertrag unterzeichnet wird. 

                        

Die Provinzstädte der Mongolei

Samstag, Dezember 24th, 2011

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Erdenet – Winter in der Provinz

Im letzten Beitrag hatte ich erklärt, dass es vor allem auch Ziel dieses Forum sei, die moderne, urbane Gesellschaft der Mongolei zu thematisieren, über das Leben der Viehzüchter wird ja ziemlich viel geschrieben und jeder hat da so seine Vorstellungen.

Wenn man das urbane Leben in der Mongolei beleuchtet, dann darf man sich aber nicht auf Ulaanbaatar beschränken, es gibt ja noch die Provinz oder Aimakstädte und über die weis man hierzulande fast gar nichts. Die Provinzstädte sind aber das eigentliche Bindeglied zwischen den Viehzüchtern in der Steppe und der Hauptstadt und es leben etwa eine dreiviertel Millionen Menschen in solchen Siedlungen. Eigentlich sollten diese Städte den wesentlichen Teil der Landflucht abfangen der heute direkt vom Lande in die Hauptstadt stattfindet. Die Bedeutung dieser Städte sollte auf alle Fälle gestärkt werden, dass wäre auf alle Fälle auch von Nutzen für die Hauptstadt, aber wie sieht es bisher in der Realität aus? Eher düster, wenn man sich mal so ein normales Aimakzentrum anschaut. In der Regel wohnen dort zwischen 20 und 40 Tausend Einwohner, aber die Infrastruktur reicht hinten und vorne nicht aus, so dass die Mehrheit der Bevölkerung in Jurten Siedlungen lebt. Hier fallen die Defizite zwar nicht so krass ins Auge wie in Ulaanbaatar, aber praktisch sind die nicht anders als in der Hauptstadt, hier akzeptiert man jedoch fehlende Wasserversorgung und unbefestigte Straßen eher als in der Millionenstadt. Unter den Provinzstädten gibt es zwei bis drei, die was ihre Größe und Urbanität betrifft deutlich herausfallen, das sind Erdenet, Darchan und vielleicht noch Tschoibalsan, den Rest kann man wohl in schlafende, von weitgehender Stagnation erfasste Siedlungen und sich entwickelnde Zentren unterteilen.

Was die drei großen betrifft, so hat man dort schon das Gefühl in einer Stadt im westlichen Sinne zu sein. Um die 100 000 Einwohner, ein Großteil davon wohnt in  Plattenbauten und ein wenig Industrie, dazu auch ein befestigtes Straßennetz und ordentliche Einkaufsmöglichkeiten. Am besten entwickelt ist das alles in Erdenet. Auf der etwa einen Kilometer langen Hauptstraße gibt es ein paar Hochhäuser, zwei richtige Warenhäuser und ein paar Restaurants, die auch ein Europäer freiwillig besuchen würde. Die Stadt ist eine Neugründung und verdankt ihre Entstehung der mongolisch-russischen Kupfermine. Der Bahnanschluss nach Ulaanbaatar ist akzeptabel und die Straße bis dorthin auch wenigstens in Asphalt.

In Darchan sieht es ähnlich aus, allerdings ist dort die Kaufkraft lange nicht so hoch wie bei den Minenangestellten von Erdenet, eine Industriestadt ist es aber dennoch und nicht so sehr in Abhängigkeit von dem einen Arbeitgeber wie Erdenet. In Tschoibalsan spielt die Industrie nur eine untergeordnete Rolle, demzufolge ist die Perspektive auch nicht so rosig.

Was die Zukunftsaussichten betrifft stehen einige von den übrigen Aimakzentren sogar besser da als die drei Großen. Dalanzadgad zum Beispiel hat drei Chancen einer positiven Entwicklung, das sind der Tourismus, das Kaschmire Geschäft und der Bergbau. Es sieht zwar heute noch nicht so toll aus im Ort, aber die Einwohnerzahl hat sich in 10 Jahren mehr als verdoppelt, es wird Geld verdient und man ist nahe dran an Oyu Tolgoi und Tawan Tolgoi. Es gibt heute schon ein kleines aber modernes Einkaufszentrum, man baut Eigentumswohnungen, ein sicheres Zeichen für kleinen Wohlstand und am Airport ist für mongolische Provinz Verhältnisse richtig Betrieb. Ein weiterer wirtschaftlicher Aufsteiger könnte Sainschand werden. Hier ist ein größerer Industriekomplex geplant. Mit seiner Lage an der Eisenbahn und in der Nähe der großen Kohlelagerstätten in der Gobi, keine schlechten Voraussetzungen.

Von der Bevölkerungszahl her entwickelt sich auch Murun ziemlich schnell nach oben, allerdings fehlt hier der große wirtschaftliche Initiator. Der Ort hat schon fast 50 000 Einwohner und eine wirklich schöne Umgebung, das Klima passt auch ganz gut und die Bevölkerung hier im Norden ist recht bodenständig und lebt schon länger in Siedlungen. Die wirtschaftliche Basis könnten hier eher Handwerk und kleine Betriebe bilden, also vielleicht die Schwaben der Mongolei. Hier hat man auch schon immer ein wenig mehr Wert auf das Ortsbild gelegt, als in den Wüstensiedlungen, viel gebracht hat es natürlich auch nicht, denn wie überall in der mongolischen Provinz fehlt den staatlichen Institutionen das Geld für Investitionen oder auch nur für die Sanierung der Erbschaften des Sozialismus. Ohne die sehe es in den Aimakstädten noch anders aus, denn nur bis 1990 wurden überhaupt größere Gebäude errichtet, dann passierte erstmal 15 Jahre überhaupt nichts.

Da diese Zentren alle etwa zur gleichen Zeit, in den 1970 er Jahren und mit ähnlicher Ausstattung errichtet wurden, sieht es auch immer fast gleich aus. Lediglich bei den wenigen in den letzten Jahren entstandenen Gebäuden gibt es eine gewisse Eigenständigkeit zu Erkennen. Das ist auch sicher einer der Gründe, warum sich kaum jemand mit seiner Provinzstadt identifiziert, oder gar stolz ist, das wiederum wäre aber wichtig, um die Leute wenigstens vor Ort zu halten. Manche Randgebiete eines Aimakzentrums sehen auch wirklich eher aus wie ein Notaufnahmelager nach einem Katastrophenereignis oder bestenfalls ein Feldlager. Während heute der Abstand zwischen einer deutschen Großstadt und Ulaanbaatar mehr und mehr schwindet, sind Vergleiche einer deutschen Kleinstadt mit einem mongolischen Provinzzentrum geradezu abstrus. Was in diesen Städten natürlich auch fast völlig fehlt sind Leute mit Kaufkraft, man kann sicher davon ausgehen, dass 99 Prozent der so genannten oberen Zehntausend der Mongolei in Ulaanbaatar leben, ein paar gibt es noch in Erdenet, aber der wohlhabendste Bürger von Mandalgobi dürfte in UB wohl kaum in einem Mittelstandsclub Aufnahme finden.                                                    

Die mongolische Demokratie

Mittwoch, November 30th, 2011

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Das Regierungsgebäude in Ulaanbaatar

Im Zuge des Besuches der Kanzlerin in Ulaanbaatar konnte man es allenthalben Lesen, die Mongolei wird im Westen bezüglich Ihrer Demokratie häufig gelobt. Was ist die mongolische Demokratie eigentlich? Oder wie demokratisch ist dieses System. Wenn man mal die aktuelle Situation mit anderen Staaten der Region vergleicht, also China, den ehemaligen Sowjetrepubliken oder Russland, dann ist natürlich die mongolische Gesellschaft geradezu eine Musterdemokratie aber trotzdem funktioniert es im politischen Alltag zumindest ganz anders als zum Beispiel in Deutschland.

Wenn man unter einer demokratischen Gesellschaft zunächst mal freiheitliche Rechte versteht, also Meinungsfreiheit, die Freiheit sich politisch betätigen zu können, Pressefreiheit oder auch die Wahrung von Bürgerrechten, dann ist die Mongolei kaum zu unterscheiden von westeuropäischen Staaten. Es gibt eine Unzahl von Parteien und politischen Bewegungen, es wird ewig über Themen debattiert, jeder der sich dazu berufen fühlt kann seine Meinungsäußerungen unbeschadet in die Öffentlichkeit bringen, selbst wenn es bis zu Verleumdungen, Unterstellungen oder Beleidigungen geht passiert in der Regel nichts.

Das Recht auf Demonstrationen ist sowohl im Gesetz als auch in der Praxis jederzeit gewahrt und die Mongolen haben mit ihren Protestjurten auf dem Suche Baatar Platz möglicherweise das Vorbild geschaffen, für die späteren Zeltplatzdemos auf allen möglichen Plätzen dieser Erde, von der Ukraine bis nach Nordafrika und nun Occupy, zumindest waren es die ersten, die das Innenstadtcamping als Protestform kultiviert haben.

Das Recht auf freie Wahlen wird eigentlich ziemlich sauber umgesetzt, wenn auch die Verlierer manchmal das Gegenteil behaupten, eine größere Wahlmanipulation wurde noch nie bewiesen und ist auch nicht sehr wahrscheinlich.  

Im Parlament selbst funktioniert die Demokratie eigentlich auch ganz gut, denn im Gegensatz zu Deutschland hat man hier bei der Abstimmung nicht mal diesen sklavischen Fraktionszwang und so mancher Politiker vertritt durchaus mal eine andere Meinung als sein Parteichef, wirklich wohltuend wenn man mal an den deutschen Bundestag denkt, wo Entscheidungen ja nur noch abgenickt werden. 

Was ist nun der Grund, warum man als Beobachter in Ulaanbaatar doch nicht so zufrieden sein kann mit der Demokratie? Es sind einfach immer die gleichen Leute, die politische Ämter besetzen und es sind immer auch Leute mit sehr eigenen wirtschaftlichen Interessen, Unternehmer, Geschäftemacher, Vermögende und es sind nicht unbedingt die edelsten Charaktere, die da auf den Parlamentsbänken sitzen. An dieser Situation wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern, denn es fehlen zwei wichtige Dinge zur lebendigen Demokratie. Das sind zunächst die   Politiker, die frei von eigenen wirtschaftlichen Interessen arbeiten und entscheiden können. Schon die Parteien verfügen kaum über solche Art Berufspolitiker.  Ein paar Parteiangestellte werden von der Partei mehr schlecht als recht bezahlt, um die organisatorische Arbeit zu machen, die wenigen Spitzenpolitiker verdienen ihr Geld nicht bei der Partei. Die Rollen sind klar verteilt, Parteiarbeiter auf der einen und Prominente auf der anderen Seite. Der Wahlkampf eines Kandidaten zur Parlamentswahl wird auch immer von diesem privat finanziert, im Gegenteil bei den Exkommunisten musste man bei der letzten Wahl sogar ein Startgeld an die Partei bezahlen um kandidieren zu dürfen. Dieses System stellt praktisch sicher, dass immer nur die Kader mit hohen privaten Vermögen auch wieder den Weg ins Parlament finden können. Persönliche Fähigkeiten oder gar Charaktereigenschaften spielen bei dieser Auswahl überhaupt keine Rolle. Sofort stellt sich dann noch die Frage, warum will dann jemand, der Firmen und privates Vermögen besitzt überhaupt in ein Parlament, wo er im Monat soviel verdient, wie er sonst an manchem auf einmal Tag ausgibt? Ganz paradox wird die Betrachtung, wenn man berücksichtigt, dass ihn der Wahlkampf die üblichen einhunderttausend bis eine Millionen USD kostet und das ungefähr das zwanzigfache von dem ist, was er in seiner Parlamentsarbeit in den vier Jahren verdienen wird. Die Erklärung ist ebenso simpel, wie pervers, er geht davon aus, dass er seinen Einsatz für Plakate, Helfer, Shows und Feuerwerke im Wahlkampf doppelt und dreifach wieder zurückbekommt, wenn er seine parlamentarische Arbeit möglichst effizient macht und das bedeutet in Ulaanbaatar, möglichst wenig Sitzungsaufwand und seine eigenen Projekte oder die an denen man prosperiert durchzubringen.   

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum man in der Mongolei trotz Demokratie und Wahlen wohl noch lange Zeit immer die gleichen Politikergesichter im TV sehen wird, das ist der Wähler selbst. Leider ist die Bevölkerung an der Realpolitik nahezu gar nicht interessiert.  Es ist den Leuten auf der Straße eigentlich egal, welche Strategien die Parteien für die Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme bereithalten, sofern sie es überhaupt tun. In der Regel werden von den Parteien sowieso nur allgemeine und pauschale Versprechungen gemacht, aber auch da überlegt der mongolische Wähler nicht lange, er findet das gut, was ihm persönlich scheinbar nutzt und ob Projekte überhaupt real sind darüber denkt er kaum nach. In der Regel wird dem Wähler einfach Geld versprochen, Bürgergeld, Kindergeld, höhere Mindestlöhne oder einfach eine Prämie für alle, wenn man den oder den wählt. Kommt dann der Wahltermin immer näher fährt mancher mongolische Wähler auf immer simplere Reize ab, der Kandidat hatte ein gutes Feuerwerk inszeniert oder eine bekannte Popband auf die Bühne gestellt oder kostenloses Feuerholz für die Jurte im Winter versprochen. So wählt man halt immer wieder die gleichen prominenten Leute. Man hat sogar das Gefühl, der mongolische Wähler verbindet seine Stimme generell lieber mit einem Sieger und gewinnt sozusagen mit dem als auf der Verliererseite zu stehen.

Wenn man die Frage stellt, wem nutzt diese mongolische Form der Demokratie am meisten, muss man ganz klar sagen, der kleinen vermögenden politischen Klasse in Ulaanbaatar selbst. Die kann ihre politische Macht dazu nutzen ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern und sie kann im Gegenzug ihre wirtschaftliche Potenz wiederum einsetzen um die politische Macht zu sichern, dabei ist eigentlich gar nicht mehr wichtig welcher Partei man angehört, Hauptsache man sitzt im Parlament und mittlerweile arrangiert man sich immer ganz gut miteinander, ob Wahlverlierer oder Wahlsieger, das ist fast egal in Ulaanbaatar.     

Würde man eine Regelung finden, wonach Politiker nicht nach ihrem Vermögen, sondern nach ihren politischen Kompetenzen als Kandidaten in den Wahlkampf gehen könnten, hätte die mongolische Demokratie schon viel gewonnen.

Landflucht in der Mongolei

Mittwoch, November 16th, 2011

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Immer mehr Mongolen ziehen das Stadtleben der Steppe vor

Als ich das erste mal 1985 die Mongolei besuchte, wohnten um die 500 000 Menschen in der Stadt Ulaanbaatar, heute sind es 1,2 Millionen. Die Gesamtbevölkerung lag damals bei etwas mehr als 2 Millionen, heute sind es etwa achthunderttausend mehr. Während die Gesamtbevölkerung also etwa 40 Prozent zugelegt hat, ist die Einwohnerzahl der Hauptstadt um 140 Prozent gewachsen. Hinter dieser Zahl steht eine Welle der Landflucht, die sich seit den 1990 er Jahren vollzieht und deren Geschwindigkeit zunimmt. Derzeit siedeln etwa 50 000 Menschen pro Jahr nach Ulaanbaatar um. Westliche Kommentatoren, insbesondere aus Kreisen von Entwicklungshilfeorganisationen, sehen die Ursachen hauptsächlich im wirtschaftlichen Bankrott von Viehzüchtern, die ihre Herden verloren haben. Diesen Fall gibt es sicherlich auch, er erklärt aber nicht die Größenordnung der Wanderungsbewegung. Es gibt auch mindestens drei Bevölkerungsgruppen aus denen sich der Zuzug zusammensetzt, das sind neben ganzen Viehzüchterfamilien, vor allem die Jugendlichen, die zur Ausbildung nach Ulaanbaatar gehen und dann dort bleiben. Eine dritte Gruppe sind ältere Leute, die am Ende ihres Lebens zu Kindern oder Verwandten in die Stadt übersiedeln. Während die letzten beiden Gruppen die Entscheidung eindeutig freiwillig treffen, gibt es bei den Viehzüchterfamilien sowohl den Fall, dass man aus wirtschaftlicher Not das Leben auf dem Lande aufgibt, es kann aber durchaus auch sein, dass man noch genügend Vieh besitzt um eine Existenz abzusichern, aber man dennoch die Herde verkauft und mit dem Geld versucht eine neue Existenz in der Stadt aufzubauen.

Oft wird die Situation im Westen so dargestellt, dass der Viehzüchter praktisch nie freiwillig sein Leben in der Steppe aufgibt, der Beobachter vor Ort weiß aber, dass das Stadtleben auf viele Viehzüchter eine starke Anziehung ausübt, nicht nur auf junge Leute, auch Frauen im mittleren Alter ziehen nicht selten ein Leben in der Stadt vor. Für viele ist aber die Existenz in der Stadt zu unsicher, als dass sie den Schritt gehen. Wären die Chancen auf gut bezahlte Arbeit in der Hauptstadt besser, sehe die Tendenz noch ganz anders aus.

Bis zur politischen Wende 1990 wurde der Zuzug vom Land nach Ulaanbaatar streng geregelt. Eine Wohnsitznahme in der Hauptstadt war mit hohen Hürden verbunden und nur wenige schafften den Sprung nach Ulaanbaatar, selbst als studierter Landbewohner landete man eher in einem Aimakzentrum. Hätte es die staatlichen Regelungen nicht gegeben, wäre die derzeitige Situation sicher schon in den 1990 er Jahren eingetreten.

Bis zur Wende hatten die Behörden versucht, den genehmigten Zuzug an den Bau von neuen Wohnungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu koppeln.

Auch wenn es nicht der Wunsch so manchen Ethnofreundes ist, die Landbevölkerung in der Mongolei wird weiter rapide abnehmen. Eine moderne Industriegesellschaft kann einfach nicht für 30 Prozent der Bevölkerung Arbeit in der Landwirtschaft bereithalten. Geht man einmal von 10 Prozent aus, dann wären dass maximal dreihunderttausend Menschen insgesamt.

Die Vorteile, die eine moderne Großstadt bieten kann sind einfach auch für Landmongolen zu verlockend. Eine beheizte Wohnung wirkt bei Wintertemperaturen von unter minus 30 Grad für jeden der das mal erlebt hat, fast existenziell, fließendes Wasser, für einen Viehzüchter unerreichbar, oder die Möglichkeit in wenigen Minuten einen Notarzt zur Seite haben zu können.

Es gibt aber auch so ganz triviale Dinge wie den Fernsehempfang mit dutzenden Programmen oder ein Warenangebot das nahezu alles bietet. Entgegen vielen Thesen lieben es Mongolen auch unter Leuten zu sein und wochenlang in der Jurte nur die Familie um sich zu haben gefällt auch dort keinem wirklich.

Natürlich bedeutet für einen Übersiedler Ulaanbaatar nicht automatisch Wohnung, fließendes Wasser und Geld zum Shopping, aber man ist dem ganzen schon einen wesentlichen Schritt näher als 1000 Kilometer weiter in der Gobi. Am Anfang werden viele erstmal in einer der sogenannten Jurtensiedlungen landen, mit ihrer Jurte ein Stück Land in Anspruch nehmen. Wobei hier schon der erste Anreiz gesetzt ist, denn dieses Grundstück wird dann zum Privatbesitz und ist möglicherweise später sogar verkäuflich, draußen auf dem Lande hatte man das nicht, man konnte zwar Land nutzen, aber nicht besitzen. Der Mongole, auch der vom Lande, hat in der Regel auch kein so großes Problem mit der Stadt. Er ist anpassungsfähig, deutlich mehr als ein Deutscher oder Chinese. Er ist auch nicht unbedingt darauf erpicht in einer Jurte alt zu werden, eine Wohnung im Hochhaus lockt viele, es scheitert eher am Geld für die eigene Immobilie.               

Der Mongoleibesuch der Kanzlerin in den Medien

Freitag, Oktober 14th, 2011

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Der Besuch der Bundeskanzlerin in der Mongolei ist nun Geschichte. Inwieweit sich dadurch die mongolisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen verbessern werden bleibt abzuwarten, zumindest waren ja in der Delegation auch einige Schwergewichte der deutschen Wirtschaft vertreten deren bloße Anwesenheit Symbolkraft entfalten kann.

Der wesentlichere Punkt des Besuches, die mediale Aufmerksamkeit und damit verbundene Werbung für die Mongolei als Standort, dürfte außerhalb der Bergbaubranche eher als ein Flop gewertet werden. Es gab vier oder fünf Standardtexte, die mehr oder weniger abgewandelt von allen möglichen Medien wiedergekaut wurden. Man hatte auch den Eindruck, dass die Texte zum Teil schon vor dem Besuch geschrieben worden sind und dann nur noch nach Protokollablauf aus der Schublade gezogen wurden. Viel recherchiert und vor allem vor Ort geprüft wurde auf alle Fälle kaum, eher wurden Klischees zitiert und zufällige Internetrecherche betrieben. Was dann raus kam waren solche Schlagworte und Überschriften wie Steppenstaat, Minilandebahn, bittere Armut, Todesstrafe, kalter Wind, Einhundert- Familien-Herrschaft, alte Männerparlament und leere Straßen. Das sind ja dann auch die Stichworte zum Thema Mongolei, die beim Leser ohne Hintergrundinformationen hängen bleiben werden.

Nehmen wir mal das Beispiel „Steppenstaat“, was immer auch das für eine Staatsform sein soll, es ist einfach der Ausdruck von totaler Respektlosigkeit. Sollte man dann Deutschland als einen Wald- und Wiesenland bezeichnen. Davon abgesehen verfügt die Mongolei auch über große Waldflächen und Wüste findet man dort genauso viel wie Steppe.

Die Sache mit der vermeintlichen „Minilandebahn“, auf der der neue Airbus A 340 der Kanzlerin angeblich nicht landen kann, ist genauso ein Ding. Erstens kann auf der Landebahn jedes Flugzeug landen, wenn es überhaupt Probleme gibt, dann beim Start und zweitens hat die Landebahn mit 3100 Metern absolutes Normalmaß, in Dresden oder Düsseldorf wäre man froh, hätte man diese Länge zur Verfügung.

„Bittere Armut“ in der Mongolei glaubt auf Anhieb jeder der es liest, aber das gerade im Vergleich zum vorher besuchten Vietnam als Unterschied zu zitieren ist geradezu abstrus. Das Bruttoinlandsprodukt in der Mongolei ist mit derzeit rund 2000 USD pro Kopf nominal deutlich höher als in Vietnam wo man es auf etwa 1300 USD bringt. Auch nach Kaufkraftparität gemessen ist es immer noch höher.  Der Motorisierungsgrad, also die Ausstattung mit privaten PKW, ist beispielsweise mit 80 PKW auf 1000 Einwohner in der Mongolei siebenmal so hoch wie in Vietnam, gut bei Mofas sähe es anders aus aber die zählen nun mal nicht als Index für den Lebensstandard.  Die Unterschiede im Wirtschaftswachstum, 15 Prozent in der Mongolei und 5 Prozent in Vietnam, mal ganz Außeracht gelassen .

Die „Todesstrafe“ klingt auch recht gefährlich, wird aber seit Jahren nicht mehr vollstreckt und nahezu jedes außereuropäische Land kennt die Todesstrafe, na ja abgehakt unter dem Thema die Kanzlerin brauchte ja einen Grund zum Großziel Weltverbesserung für ihre Dienstfahrt.

„Kalter Wind“ weht in Ulaanbaatar, da braucht man nichts dazu zu sagen, kalt ist es nun mal im Oktober in der Mongolei. Die „Einhundert Familien-Herrschaft“ klingt natürlich auch erstmal logisch, für den Leser. Man kann schon froh sein, dass man anstatt Familie nicht noch Nomadenclan geschrieben hat, denn das erwartet ja der Empfänger solcher Nachrichten. Da hockt eine handvoll Clanchefs, die alles unter sich ausmachen und wer nicht mitspielt spürt die Blutrache, Dschingis Khan Kultur eben. Was spielt es da für eine Rolle, dass größere Familienbünde in der mongolischen Kultur überhaupt keine Tradition haben.

Das „alte Männerparlament“ dürfte im Übrigen deutlich jünger sein als der deutsche Bundestag und zu den „leeren Straßen“ kann man nur sagen, wer in Ulaanbaatar um 7 Uhr in der früh unterwegs ist, wird nie im Stau stehen, weil das umgerechnet auf deutsche Tageszeit wohl so um 4 Uhr in der früh wäre, und wenn es in der Stadt nicht täglich spätestens am Nachmittag die berüchtigten Horrorstaus gäbe wäre es ja eigentlich wirklich schöner aber leider ist dem nicht so. 

Also aus der Sicht finde ich den Besuch nicht so nützlich wie erhofft, die breite Menge der Bevölkerung in Deutschland weis jetzt, so zusagen von der Kanzlerin bestätigt, was sie schon immer ahnte, die Mongolei ist ein schwer erreichbarer, kalter und bitter armer Steppenstaat am Rande der Welt der von einer handvoll alter Männer beherrscht wird die jetzt das Land an ausländische Firmen verkaufen wollen.  

Eine der wenigen Ausnahmen war ein Beitrag der sächsischen Freien Presse. Die hatte eigenes Material auf einer Halbseite zusammengestellt, in dem Zusammenhang sogar auf die traditionellen Beziehungen zur DDR und die 25 000 Studenten, die in der DDR absolviert hatten, verwiesen.  Anderswo tauchten die kaum auf oder man hatte die Studenten mal gleich in die Nachwendezeit versetzt. In den meisten Beiträgen ist die Kanzlerin auch angeblich die erste deutsche Regierungschefin, die jemals in der Mongolei war. Erich Honecker weilte aber mehr als einmal in Ulaanbaatar und sogar in der Umgebung.  Auch wenn er ein Kommunist war, er war ein deutscher Regierungschef oder ?